Die Mörder der Ideen: Amazon Kindle und Co.

18. August 2009 von histo99

Vor etwa 2000 Jahren verbrannte in Alexandria ein so unwiederbringlicher Schatz an Wissen, dass man auch heute unmöglich im Stande ist, die enormen Auswirkungen dieses Brandes auch nur ansatzweise zu ermessen. So mancher würde wohl bittere Tränen weinen, wenn er wüsste, welche Perlen an Weltwissen damals in der Bibliothek in Flammen aufgingen.

Ähnlich, wenn auch schleichend, marschieren wir heute ebenfalls in eine Richtung, in der wir fahrlässig Weltwissen riskieren, indem wir zusehen, wie langsam Bücher nicht mehr gedruckt, sondern nur noch digital erstellt werden, wodurch sie dann nur noch mit entsprechender Hardware wie Amazon Kindle gelesen werden können. Nun sind wir erst am Anfang dieses Weges, doch dass eben jener Pfad ein sehr gefährlicher ist, möchte ich hier kurz darlegen.

Zu allererst müssen wir uns klar werden, was eine Digitalisierung von Büchern bedeutet. Die Lesegeräte für diese Bücher unterstützen jeweils nur einige Formate, sodass man nicht mehr jeder Buch auf jedem Lesegerät ansehen kann. Damit wird das zugängliche Wissen schon mal eingeschränkt. Doch diese Auswirkung wäre noch gering, jedoch muss man in weiteren Maßstäben denken. Dass uns Wissen aus Tausenden von Jahren erhalten geblieben ist, liegt vornehmlich daran, dass es auf Papyrus, Pergament oder Papier niedergeschrieben wurde. Man brauchte also kein zusätzliches Lesegerät, lediglich die Schrift und die Sprache mussten teilweise entschlüsselt werden. Nun stellen wir uns vor, jene antiken und mittelalterlichen Völker hätten ebenfalls eine Art Amazon Kindle benutzt. Die Folge wäre doch, dass man als Archäologe erst ein Lesegerät entwickeln müsste, dass die Daten einsehbar macht. Schon dies wäre bei der Möglichkeit an Verschlüsselungen und Formaten ein Ding der Unmöglichkeit. Und selbst wenn man dies schaffen würde, so müsste dennoch die antike Schrift übersetzt werden, wodurch insgesamt der Mehraufwand ins Unermessliche steigt. Dann stellt sich außerdem noch die Frage, ob die Daten überhaupt solange haltbar sind und ob die Speichermedien nicht schon lange zerstört und das Wissen somit unwiederbringlich verloren ist. Man stelle sich vor, die alten Griechen hätten ihr Wissen auf CDs gespeichert. Alles wäre heute verloren, das Abendland als solches könnte nicht existieren, außer jemand hätte die alten Schriften jeweils an das modernste Format angepasst.

Nun haben die antiken Völker Gott sei Dank ihre Schriften aus Mangel an Möglichkeiten analog und damit einfach zugänglich verfasst. Aber was werden die Menschen in tausend Jahren sagen? Wird ihnen die Digitalisierung der heutigen Bücher ebenfalls wie der Bibliotheksbrand von Alexandria erscheinen, da Wissen auf ewig verloren ging, weil z.B. ein Virus alle gespeicherten Bücher und damit das Wissen und die Ideen zerstört hat? Gut möglich wäre es. Deshalb sollte man diese neumodische Erscheinung der elektronischen Buchlesegeräte in jedem Fall boykottieren.

Hinzu kommt im Übrigen auch ein gänzlich anderer Aspekt: Die sich anbahnende Wirtschaftsdiktatur. Amazon hat nämlich vor einigen Wochen skrupellos die Bücher „Animal Farm“ und „1984“ von George Orwell, über drahtlose Netze einfach von den Geräten gelöscht, weil man merkte, dass man keine Urheberrechte für diese Bücher hatte. Man stelle sich vor ein Buchhändler steigt des Nachts in die Häuser seiner Kunden, nimmt ihnen ihre Bücher weg und legt dafür das Geld auf den Tisch. Aber man hat diese Affront geschluckt und die Sache zeigt eigentlich nur, dass wir auf den besten Weg in die totale Medienkontrolle durch die Wirtschaft sind.

Folgen des Großkapitals

30. Juli 2009 von histo99

Neulich besuchte ich einen Freund in der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut, wo ich bis dahin noch nie gekommen war. An sich ist Landshut eine schöne Stadt mit einer Burg und altertümlichen Häusern, wenn auch etwas rural im Gesamtbild. Als wir dann so durch die Straßen und Einkaufspassagen schlenderten, fiel mir nun erstmals etwas bewusst auf, was ich eigentlich schon lange wusste, aber noch nie richtig zu spüren bekommen hatte: Es war nicht anders als in meiner Heimatstadt, nicht anders als überall in Deutschland! Die Läden waren dieselben wie überall. Es gab keinen heimischen Landshuter Laden, kein Geschäft welches es nicht überall gibt. Und dies erschien mir doch recht trostlos. Mir wurde klar, dass die großen Konzerne nicht nur in der Theorie, sondern durchaus auch in der Praxis den unverwechselbaren Flair einer jeden Stadt zumindest in großen Teilen einschränken, da es kaum Läden und Waren gibt, die man noch als typisch und original ansehen könnte. Damit wird Lebensqualität gestohlen! Damit werden die Unterschiede zwischen den Städten ausgelöscht, sodass es am Ende egal ist, ob ich durch eine Fußgängerzone von Landshut oder jeder anderen beliebigen deutschen Stadt gehe. Wie langweilig macht dies das Reisen. Natürlich gibt es noch viele andere Sachen zu besichtigen, aber man wird wohl eingestehen, dass es doch sehr trist ist, überall die gleichen, modernen Läden zu sehen, die den alteingesessenen eiskalt die Gurgel abdrücken, weil sie sich günstigste Preise erlauben können. Dies führt zum Absterben der alten Händlerwelt einer Stadt, also einem unverwechselbaren Bestandteil des Geistes einer Stadt, sowie zu einer allgemeinen Drückung des Lohnniveaus.

Nun, wenn aber der Geist einer Stadt abstirbt, dann entwurzeln auch die Menschen langsam. Plötzlich sind sie überall zu Hause. Ein Motto, welches uns heute gerne als etwas Positives unterbreitet wird, was aber nur bedeutet, dass der Mensch auswechselbar wird, als Spielball einer gnadenlosen Wirtschaft, gelenkt vom internationalen Großkapital. Wer denkt, dies wäre reine Propaganda, der soll sich informieren wie die vielen Ladenketten in unseren Städten miteinander verknüpft sind und an oberster Stelle Töchter einer handvoll Firmen sind. Man hat es aber schon geschafft, die Kaufwut des Menschen so zu steigern, dass die Austauschbarkeit der Fußgängerzonen als etwas Positives empfunden wird. Die großen Ketten dominieren, die kleinen alteingesessenen mit gar keiner oder nur sehr wenigen anderen Zweigstellen gehen hoffnungslos ein, da sie sich nicht die Preisspielchen der Großen erlauben können. Dadurch wird der Mensch von den Ketten abhängig, was ihn nur noch mehr zum Spielball macht und ihn somit entmenschlicht. Heute geht Wirtschaft leider vor Mensch!

Wer nicht glaubt, dass sich die großen Firmen in den Händen weniger befinden, der soll mal eine Branche genauer betrachten, die so wichtig ist für den Menschen, wie keine andere: Die Lebensmittelindustrie. Der Großteil der überregionalen (und billigen) Produkte in unseren Supermärkten stammt von Firmen die zu einem gigantischen Machtkomplex mit Namen „Procter and Gamble“ gehören. Ich will diese Firma nicht an den Pranger stellen, aber seien wir ehrlich, wir sind so gut wie abhängig davon. Aber sie wird noch weitere Unternehmen schlucken und so die gesamte Lebensmittelbranche total kontrollieren, was höchstwahrscheinlich in einen noch stärkeren Qualitätsverfall unsere Nahrung mündet. Mit Aromen täuscht man uns schon heute über natürliche Geschmäcker hinweg und macht uns abhängig. Die klingt nach Verschwörungstheorie, ist aber gängige Praxis unter anderem auch bei McDonalds. Auf alle Fälle können sich kleine Betriebe dieser Übermacht nicht erwehren. Sie gehen entweder Pleite oder werden geschluckt. Folge ist unter anderem auch die völlig irrige überregionale und internationale Umherschiffung von Nahrungsmitteln, sodass wir hier z.B. Brot aus US-Mehl essen und die hier erzeugten Nahrungsmittel nach Afrika verschifft werden. Unnötig zu erwähnen, dass die EU dies sogar unterstützt und fördert. Wieso sich nicht einfach jedes Volk selbst ernährt bleibt fraglich…

Nun, was kann man tun um sich als kleiner Bürger zu wehren? Auf jeden Fall daheim Heimisches kaufen. Das heißt: In alteingesessenen Läden, welche nicht Teil riesiger Ketten sind, Waren aus der Region oder zumindest aus Deutschland kaufen. Selbst wenn das Angebot kleiner ist, aber wir brauchen eigentlich nicht fünfzig verschieden Nudelsorten. Man hat uns durch dieses perverse Warenüberangebot eingeredet wir bräuchten so eine Auswahl, aber dies ist lächerlich. Diese Auswahl führt nur zu einem riesigen Ausschuss… Essen wird vernichtet. Brot wird vernichtet; vor fünfzig Jahren etwas undenkbar Schlimmes! Aber man hat uns so weit entmenschlicht, dass wir der zentnerweisen Vernichtung von Brot ohne Tränen in den Augen zusehen können! Dabei würde uns eine Auswahl wie diese schon genügen: Suppennudeln oder Bandnudeln?

Auch die EU müsste einsehen, dass die Verfrachtung unserer Nahrungsmittel nur die Bauern in Afrika belastet. Aber die EU ist nicht menschlich, sie dient der Wirtschaft und sonst niemanden auf der Welt. Traurig, dass wir in eine Wirtschaftsdiktatur marschieren, ohne dies zu merken, ja wir heißen es sogar gut. Werbung ist die Propaganda unserer Tage und dass wir bereits sehr kontrollierbar sind zeigt das Beispiel mit „1984“ und Amazon kindle (davon wird noch zu schreiben sein).

So radikal es sich auch anhören mag, aber die großen Ketten müssen verschwinden. Die Arbeitsplätze fallen dadurch ja nicht weg, nein sie mehren sich sogar, da die kleinen Läden und Betriebe ebenfalls ihre Mitarbeiter brauchen und diese würden in diesen Geschäften sogar unter besseren Bedingungen arbeiten, da dass Arbeitsklima nicht von Kontrollzwang wie bei Lidl und Co. geprägt ist. Sicher, ein direktes Verschwinden der Ketten wird nicht möglich sein, aber was fürs erste auch reichen würde, ist eine breite Selbstverantwortlichkeit des Filialbesitzers, wie bei Edeka (Einkaufsgemeinschaft der Kolonialwarenhändler). Am Ende sollen aber die kleinen Läden obsiegen, denn sie führen den Menschen zurück in eine gesunde Gemeinschaft und geben den Städten und Märkten ihr Flair wieder. Sie machen den Menschen zum Menschen und nicht zum Spielball der Wirtschaft und sie stärken die regionalen Strukturen, welche so wichtig wären!

Das Fegefeuer 1816 – zeitgenössisch beschrieben

24. Juli 2009 von histo99

Von den folgenden Zeilen kann jeder halten, was er will. Jedoch möchte ich kurz auf die Quelle dieser Fegefeuerbeschreibung eingehen.

Seit einigen Generationen befindet sich in unserem Familienbesitz ein Buch, welches sich „Der Himmelschlüssel“ nennt. Jenes Gebetsbuch wird zu Beginn als „sehr kräftiges, nützliches und trostreiches Gebetsbuch zur Erlösung der lieben Seelen des Fegfeuers“ beschrieben, „zum besonderen Gebrauch des andächtigen Weibergeschlechts“. 1816 abgedruckt hat es sich im Prinzip sehr gut erhalten und auch heute noch betet meine tiefgläubige Großmutter bei jedem Gewitter ein Gebet, dass einen potentiellen Gewitterschaden abwehren soll (wofür mein Großvater im Übrigen immer wieder ein paar sarkastische Bemerkungen übrig hat). Nun befindet sich in diesem Gebetsbuch zu Beginn eine ausführliche Beschreibung vom Fegefeuer. Leider blieb aber von dieser nur eine Seite erhalten (die anderen wurden anscheinend herausgerissen), die jedoch viel Aufschluss darüber gibt, wie man zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Leben nach dem Tod sah und weshalb die Menschen sich davor geängstigt haben. Ich selbst finde die Beschreibung höchst interessant und halte sie auch für eine wichtige Quelle im Bezug auf den damaligen Glauben. Ich möchte die Ausführungen niemanden vorenthalten und stelle sie so ohne Wertung zur Verfügung:

Das erste Kapitel

Von den grausamen Peinen des Fegfeuers

Andächtige Seel! In diesem ersten Kapitel dieses Buches will ich dir durch die Hilf der göttlichen Gnade mit Worten erklären, und mit Exempel vor Augen stellen, wie grausam die Peinen des Fegfeuers seien, und wie teuer man in jener Welt seine Stunden bezahlen müsse: bittend! Du wolltest diese Materie aufmerksam durchlesen, und in deinem Herzen wohl erwägen.

Wisse, das nach Meinung der Lehrer, das Fegfeuer sei eine ungeheuer große Gruft in einem Steinfelsen der Erde, nahe bei, und ober der Hölle, welche mit Feuer, Hitze, Gestank, Unsauberkeit, Finsternis, Würmern, Kröten und allen erdenklichen Qualen über angefüllt ist. In diesem feurigen Kerker, werden alle und jede in der Gnad Gottes hinscheidende Seelen, welche die Strafen ihrer Sünden nicht genugsam bezahlet, oder die Makeln nicht völlig gesäubert haben, nach diesem Leben so lang aufgehalten, bis sie völlig gereinigt seihen, und alle Schulden bis auf den letzten Heller bezahlet haben. Dabei ist auch zu wissen, dass nicht alle strafmäßige Seelen in diesem allgemeinem Ort gepeinigt werden, sondern etliche haben ihr Fegfeuer an andern Orten der Welt, oder in jenen Orten welche sie bei ihrem Leben gesündigt haben. Welches der unerforschliche Gott nach eigenem Gefallen angeordnet, wie aus vielen bewährten Geschichten bekannt ist, und das der Lehre des heiligen Thomas erscheinet.

Wie groß nun die Peinen des Fegfeuers sein, kann nicht genug erklärt werden, gleichwohl lehret der heilige Augustinus, dass die geringste Pein des Fegfeuers größer sei, als die größte Pein dieser Welt: und das eine Seel in einem Viertelstündlein mehr leide, als ein Mensch all sein Lebtag auf dieser Welt leiden könne. Derhalben(?) so man zusammen nimmt alle Peinen, welche die Tyrannen den hh. (hochheiligen?) Märtyrern, und die Richter den größten Übeltätern angetan haben, wie auch alle Krankheiten und Schmerzen, welche alle Menschen all ihr Lebtag gelitten, und alle Peinen, welche Christus in seinem bitteren Leiden hat ausgestanden; so würden doch diese Strafen und Peinen alle zusammen, mit den Peinen des Fegfeuers nicht zu vergleichen sein.

In meinem Ablassbuch am fünften, sechsten und siebenten Kapitel, hab ich ausführlich bewiesen, dass einige Seelen in einem   (restliche Seiten fehlen)

Gold gab ich für Eisen – Das Eiserne Kreuz

23. Juli 2009 von histo99

An was dachte seinerzeit der preußische König Friedrich Wilhelm III. als er höchstpersönlich eine Auszeichnung für seine Soldaten entwarf? Zum einen dachte er wohl an die Deutschordensritter, jene Männer die unter Eisen und Blut den preußischen Ordensstaat erschufen und den deutschen Osten eroberten. Von dem Kreuz auf ihren Gewändern ließ er sich inspirieren um seinen Männern für ihren Mut zu danken. Vielleicht auch in dem Gedanken, dass noch eine lose Bindung in der militärischen Tradition zwischen Deutschrittern und der preußischen Armee bestehe. Genau wissen wir es nicht. Auch stellt sich die Frage, ob er ahnte, dass diese Auszeichnung die Helden von insgesamt vier Kriegen tragen werden, die in einem Zeitraum von mehr als hundert Jahren wüteten und dass es am Ende das Hoheitszeichen der Bundeswehr werden würde, einer Armee die keinem Monarchen mehr dient? Wahrscheinlich nicht. Aber Tatsache ist, dass das Eiserne Kreuz eine lange Tradition hinter sich hat und dass es trotz allem heute etwas in Verruf geraten ist. Wir wollen die Geschichte dieser Auszeichnung kurz skizzieren um uns dann mit der Debatte um die Wiedereinführung im Jahre 2007 zu beschäftigen.

Die direkte Geschichte des Eisernen Kreuzes beginnt in dem Sinne nicht bei den Rittern des Deutschen Ordens, sondern bei den Befreiungskriegen gegen das französische Joch unter Napoleon Bonaparte. Als Auszeichnung für seine Soldaten, unabhängig von Rang und Stand, stiftete am 10. März 1813 wie erwähnt der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. erstmals das Eiserne Kreuz. Die Schlichtheit dieses Ordens, die Tatsache, dass er nur aus Eisen und somit aus keinen wirklich wertvollen Materialien geschaffen wurde, steht sinnbildlich für die ritterliche Pflichterfüllung und für die Zurückhaltung und Einfachheit des damals noch preußischen Soldaten. Ursprünglich sollte es ja nur für die Befreiungskriege gestiftet werden, jedoch ließen es sich Bismarck und Wilhelm I. 1871 nicht nehmen, den tapferen Soldaten, welche die Reichsgründung erst ermöglichten, jenen Orden wieder zu verleihen. So auch Wilhelm II. und später auch Adolf Hitler.

Beim letztgenannten liegt der Knackpunkt. Wie so oft wirkt er auch heute noch wie ein Todschlagargument auf die gesamte bundesdeutsche Politik. So debattierte man 2007 eifrig über die Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes für besonders tapfere Soldaten. Aber Ignoranz und das Gekrieche vor den Alt-68ern zeichneten den Ausgang der Diskussion leider schon zu Beginn ab. Hauptargument des gesamten links-anarchistischen und sozialistischen sowie grünen Spektrums gegen die Wiedereinführung war, dass die Nazis das Eiserne Kreuz ebenfalls wiedereinführten. Dieser brachial unsinnige Art zu denken! Dann können wir die gesamte Tierschutzgesetzgebung ebenfalls über Bord werfen, diese basiert nämlich auf den Beschlüssen der Nazis und ist damit viel näher am Regime dran, als das Eiserne Kreuz, welches ja schon zu einer Zeit existierte, in der noch nicht mal Hitlers Vater geboren war, geschweige denn ein Drittes Reich auch nur abzusehen war (das Erste Reich war ja erst kürzlich zusammengebrochen!). Natürlich wurde bei der ganzen Debatte auch rigoros übersehen, dass das Logo der Bundeswehr ein stilisiertes Eisernes Kreuz ist. Aber das interessiert ja nicht…

Nun, nach alter bundesdeutscher Manier wollte man auch nicht ganz ohne konkretes Ergebnis aus dieser Diskussion hervorgehen und so stiftete man einfach einen Ersatzorden, das „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“. Nicht nur, dass der Name wenig prägnant erscheint, nein, diese Auszeichnung ist auch nicht wirklich greifbar für weite Teile der Bevölkerung. In den vielen Krisenregionen, in denen die Bundeswehr im Einsatz ist, wurde das Eiserne Kreuz für die Bevölkerung bereits zum Zeichen der Hoffnung, einfach weil es allgegenwärtig ist. Aber auch dies wird übersehen. Das Eiserne Kreuz erinnert einfach viel zu sehr an Krieg und offiziell wird in Afghanistan kein Krieg geführt… Somit wäre die Wiedereinführung auch eine Art Eingeständnis, dass wir uns in einem Krieg befinden, doch dies will die Bundesrepublik nicht wahrhaben! Aber sehen wir uns das „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ mal an.

Wie auch das Eiserne Kreuz soll diese Auszeichnung für besondere Tapferkeit verliehen werden. Dies sagt ja auch schon der Name, welcher dadurch nur lächerlich lang wird. Unter dem Eisernen Kreuz könnte sich hingegen jeder etwas vorstellen und jeder weiß auch, dass es ein sichtbares Zeichen für besondere Tapferkeit ist. Der Tapfere zeichnet sich auch nicht durch Glanz und Pomp aus, sondern oft sind die einfachsten und scheinbar normalsten Menschen die Tapfersten, die in Treue ihre Pflicht erfüllen. Darauf verweist auch das Eiserne Kreuz, es ist schlicht und aus nicht sonderlich wertvollen Materialien. Damit sagt es sinnbildlich aus, dass man nicht von besonderer Herkunft sein oder sich für etwas Besseres halten muss, um heldenhafte Taten zu begehen. Ob einfacher Soldat oder hoher Offizier, alle die es verdienten, trugen dieselbe schlichte Auszeichnung. Dies ist zwar auch beim „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ so, aber durch das Aussehen dieses Ordens kommt eben gerade jener Pomp zum Vorschein, der zutiefst unsoldatisch ist und welcher somit auch die Militärtradition der Bundeswehr ableugnet. Diese zieht sich nämlich von den preußischen Soldaten der Befreiungskriege über das Deutsche Heer des Kaiserreiches, die Reichswehr und die Deutsche Wehrmacht bis hin zur heutigen Bundeswehr. Ein Umstand, den man gern übersieht, ja sogar vertuscht weshalb auch das Eiserne Kreuz als eindeutiges Hinweiszeichen auf diese Tradition durchwegs abgelehnt wird.

Mein Urgroßvater bekam im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz verliehen und auch heute noch kann ich mir mehr darunter vorstellen als unter irgendeinem anderen Orden. Somit zeugt es auch fast hundert Jahre später von besonderer Tapferkeit und dies sollte eigentlich auch der Sinn der Sache sein, weshalb man auch heute diese Auszeichnung, die sich durch unsere ganze jüngere Militärgeschichte zieht, wieder einführen sollte!

„Frage an Radio Eriwan“ – Flüsterwitze im Sozialismus

23. Juni 2009 von histo99

Ohne Frage sind Witze oftmals ein Ventil einer Gesellschaft um ihrem Ärger über Missstände Luft zu machen. So ist es überall auf der Welt und so war es auch in der Sowjetunion, wo es eine ganz besondere Art des politischen Witzes gab, die sogenannten Radio-Erwian-Witze. Sie sind geprägt von bitterböser Zynik und schwarzem Humor und machen sich vor allem über die Verhältnisse in der Sowjetunion lustig. Ganz egal ob es jetzt um die Entbehrungen und Repressalien des real existierenden Sozialismus handelt, um seine Propagandamaschinerie oder um die marxistisch-leninistische Theorie. Dazu mal ein Beispiel:

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass in den USA jeder ein Auto hat?“

„Im Prinzip ja, aber bei uns hat dafür jeder einen Parkplatz.“

Eine Anspielung auf den akuten Mangel an Automobilen. Hier sieht man vor allem auch den Aufbau solcher Radio-Eriwan-Witze. Es beginnt immer mit „Frage an Radio Eriwan:“ und meist dreht sich der Inhalt um eine Erscheinung im System der Sowjetunion. Dann folgt die Antwort von Radio Eriwan, welche ebenfalls beinahe immer mit „Im Prinzip ja“ oder „Im Prinzip nein“ beginnt und dann die ganze Frage durch überspitzte oder kleinkarierte, vor allem aber unerwartete Antworten, völlig ins Absurde zieht und sich so über den Sozialismus lustig macht.

Meinen Humor treffen diese Witze sehr oft und ich hoffe, dass meinen Lesern bei den folgenden Beispielen das eine oder andere Schmunzeln entkommen wird.

Frage an Radio Eriwan: „Darf ein kleiner Parteifunktionär einen großen Parteifunktionär kritisieren?“

„Im Prinzip ja, aber es wäre echt schade um den kleinen Parteifunktionär.“

Frage an Radio Eriwan: „Gibt es in der Sowjetunion eine Pressezensur?“

„Im Prinzip nein. Es ist uns aber leider nicht möglich, auf diese Frage näher einzugehen.“

Frage an Radio Eriwan: „Hätte die Katastrophe von Tschernobyl verhindert werden können?“

„Im Prinzip ja, wenn nur die Schweden es nicht ausgeplaudert hätten.“

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, dass die Sowjetunion bei der Mikrotechnologie besser als die USA ist?“

„Im Prinzip ja. Wir fertigen die größten Mikrochips der Welt.“

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, dass der liebe Gott Parteigenosse werden kann?“

„Im Prinzip ja, nur müsste er vorher aus der Kirche austreten.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass auch Flöhe und Wanzen eine Revolution machen könnten?“

„Im Prinzip ja, denn auch in ihnen fließt das Blut der Arbeiterklasse…“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, daß Genosse Chruschtschow gegen Kennedy ein Autorennen gefahren hat?

„Im Prinzip ja. Chruschtschow belegte einen ehrenvollen zweiten Platz, während Kennedy nur Vorletzter wurde.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass das Eingreifen der sowjetischen Truppen im Prager Frühling auf ein Hilfeersuchen der tschechoslowakischen Regierung zurückgeht?“

„Im Prinzip ja. Das Hilfeersuchen stammt aus dem Jahr 1939 und konnte 1968 positiv beantwortet werden.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass in der Ukraine der Weizen so hoch wie Telegraphenmaste wächst?“

„Im Prinzip ja. Aber nicht so hoch, sondern so weit auseinander.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass der Kapitalismus am Abgrund steht?“

„Im Prinzip ja, aber wir sind dabei, ihn zu überholen.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass sich in der Sowjetunion Stereoanlagen erübrigen?“

„Im Prinzip ja. Man hört sowieso von allen Seiten das gleiche.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass Stalin Witze über sich sammelt?“

„Im Prinzip ja, aber zuerst sammelt er die Leute, die diese Witze erzählen.“

Frage an Radio Eriwan: „Was wäre passiert, wenn an Stelle von Kennedy Ulbricht ermordet worden wäre?“

„Schwierige Frage. Eins ist aber sicher: Onassis hätte die Witwe mit Sicherheit nicht geheiratet.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es dass man in Moskau die Blumen in Restaurants nicht gießen darf?“

„Im Prinzip ja, sonst würden die Wanzen rosten“

Frage an Radio Eriwan: „Könnte man auch in der Schweiz den Sozialismus einführen?“

„Im Prinzip ja, aber es wär schade um das schöne Land.“

Frage an Radio Erwian: „Darf man die Partei kritisieren?“

„Im Prinzip ja, aber es lebt sich besser in den eigenen vier Wänden.“

Frage an Radio Eriwan: „Kann man den Unterschied zwischen Demokratie und Volksdemokratie einfach erklären?“

„Im Prinzip ja; wie zwischen Jacke und Zwangsjacke.“

Frage an Radio Eriwan: „Können Sie uns sagen, wo der Erfinder der Radio-Eriwan-Witze sitzt?“

„Wir wissen nicht, wo er sitzt, aber er sitzt bestimmt.“

Buchtipp: „Die Revolution entlässt ihre Kinder“

22. Juni 2009 von histo99

Heute möchte ich ein Buch kurz vorstellen und auch empfehlen, welches ich vor wenigen Wochen gelesen habe und dessen Inhalt ich doch sehr interessant finde. Der Titel lautet, wie oben zu sehen, „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ und geschrieben wurde es von Wolfgang Leonhard. Die Tatsache, dass das Buch bereits im Jahre 1954 erschienen ist, tut dem Inhalt hierbei keinen Abbruch, da es im Prinzip autobiographisch verfasst wurde. Das Besondere ist aber, dass Leonhard als deutsches Emigrantenkind in der Sowjetunion unter Stalin aufwuchs und dort zum kommunistischen Funktionär ausgebildet wurde. Somit vermitteln die Schilderungen Leonhards vor allem den Alltag in der stalinistischen Sowjetunion und zeigt auf fatalste Weise die Erziehungsmethoden und eigentlich auch das ganze Innenleben des Systems auf. Das ist auch einer der interessanten Aspekte des Buches. So lernt man das Leben in der Sowjetunion dieser Tage nicht nur kennen, sondern erhält durch den Umstand, dass Leonhard zum Funktionär ausgebildet wurde, auch einen Einblick in die Funktionsweisen und Denkstrukturen des stalinistischen Staates: von der normalen Schule über die Verhaftung seiner Mutter und deren Rechtfertigung, bis zu der Kominternschule mit Kritik und Selbstkritik.

Hinzu kommt noch ein weiterer Faktor, der dem Buch einen gewissen Reiz gibt. Leonhard wurde nämlich mit der Gruppe Ulbricht nach Berlin geschickt, um dort als kleines Grüppchen die Weichen für die Sowjetisierung des Landes und für den Aufbau der DDR zu stellen. Und alle Mitglieder der Gruppe Ulbricht wurden letztendlich hohe Funktionäre der DDR, lediglich Leonhard brach mit dem System und floh. Nun denke ich aber, dass jemand wie Leonhard durchaus die Chance gehabt hätte, eines Tages Generalsekretär der SED oder eine ähnliche Position einzunehmen. Und ich finde, dieses Wissen im Hinterkopf, dass jener Mann die höchstmögliche politische Ausbildung in der Sowjetunion genoss und dass er, wenn er nicht geflohen wäre, wahrscheinlich heute seinen Platz in den Geschichtsbüchern hätte, macht das Buch noch mal lesenswerter, als es ohnehin schon ist.

Alles in allem finde ich die Materie höchst interessant, zumal gute Bücher über das Leben in der Sowjetunion in deutscher Sprache leider rar sind. In dieser Hinsicht würde ich dieses Buch als besondere Perle bezeichnen, für die eine Investition höchst lohnenswert ist.

Eine kurze Stellungnahme für den Exorzismus

20. Juni 2009 von histo99

Exorzismus bedeutet für viele heute ein düsteres Ritual, welches in fatalster Weise an die ungedruckte Glaubenszeit des Mittelalters erinnert und die angebliche Rückständigkeit der katholischen Kirche aufzeigt. Doch ich finde, wie bei so vielen Sachverhalten im Bezug auf die katholische Kirche, sollte man es sich auch hier nicht zu einfach machen.

Zunächst einmal sollte man grundsätzlich unbefangen an das Thema herangehen und ich gestehe ein, dass ich zwar durchaus interessiert bin, mich aber nicht zu den „Laienexperten“ zählen würde. Ich habe noch nicht einmal ein Buch von Gabriele Amorth gelesen, was ich aber binnen kurzer Zeit nachzuholen gedenke. Trotzdem möchte ich nun versuchen, einige Denkansätze vorzubringen, die den Exorzismus, die Teufelsaustreibung also, in einem ungewohnten Licht erscheinen lassen.

Grundsätzlich ist auf den ersten Blick die ganze Legitimität des Exorzismus abhängig von der Frage, ob das fleischgewordene Böse, der ewige Verführer den wir Teufel oder Satan nennen, wirklich existiert. Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten und ich persönlich glaube an den Teufel und dass er von Menschen Besitz ergreifen kann. Wenn ich nun Recht hätte, dann wären nun eigentlich meine Ausführungen zu Ende. Denn bei einer Existenz Luzifers hätte das Ritual höchste Rechtmäßigkeit. Und ich denke, wenn ein Mensch plötzlich im Wahn fließend Sprachen spricht, die er nie gelernt hat, dann ist dies schon ein gewichtiger Hinweis darauf, dass hinter einer Besessenheit mehr als nur eine Epilepsie steckt. Aber letztendlich können wir die Frage nach der Existenz des Teufels nicht beantworten, weshalb nun natürlich auch noch die zweite Möglichkeit bleibt: Der Teufel existiert nicht.

Hier kann man gleich eine Einschränkung machen, nämlich die, dass selbst bei einer Existenz der Teufels, viele angeblich „Besessene“ trotzdem nur einen psychisches Leiden haben und Satan nicht von ihnen Besitz ergriffen hat. Nun, selbst wenn wir annehmen, dass dies die Regel ist (und auch ich glaube, dass die allergrößte Zahl von Besessenheiten auf die Psyche zurückzuführen sind), so darf man doch eines nicht übersehen: In 99% der Fälle erfolgt ein Exorzismus freiwillig und nach entsprechenden negativen Tests auf Epilepsie. So, nun haben jene Menschen vielleicht wirklich eine andere geistige Krankheit. Aber sie glauben, dass sie vom Teufel besessen sind. Und das Exorzismusritual, dass sie nun beantragen ist sozusagen eine Art der Psychotherapie. Denn was hilft einem Menschen der glaubt, dass er besessen ist wohl mehr? Ein Psychiater, bei dem er sich nicht ernst genommen fühlt, oder ein katholischer Priester, der durch das Ritual dem Menschen genau das gibt, von dem er sich erhofft geheilt zu werden. Eine Mischung aus Placebo und Psychotherapie also. Und vor allem Italien beweist, dass dies Methode hat. Exorzisten waren somit die ersten Psychiater und in einer gewissen Weise sind sie es auch heute noch.

Doch nun werden viele mahnend ihren Zeigefinger erheben und mit zitternder Stimme den Ortsnamen „Klingenberg am Main“ aussprechen und uns alle den tragischen Fall der Studentin Anneliese Michel in Erinnerung rufen, bei der der letzte offizielle Exorzismus in Deutschland durchgeführt wurde und die daran qualvoll verstarb. Da lässt sich zunächst auch nichts wegleugnen oder beschönigen. Aber es wird wohl der einzige Fall bleiben, den Kritiker nennen können, da unter Tausenden von Exorzismen nur dieser eine wirklich schief gegangen ist. Aber das beste Gegenbeispiel ist ja Italien, wo am Tage hunderte von offiziellen Teufelsaustreibungen vorgenommen werden, die allesamt glimpflich und nach dem Rituale Romanum oftmals mit Erfolg gekrönt ablaufen. Nochmal: Zum Exorzismus wird niemand gezwungen, die Leute glauben, dass sie besessen sind und in diesem Fall ist eine Teufelsaustreibung nun mal die beste Methode um auch einer geistigen Erkrankung Herr zu werden.

Noch zwei Anmerkungen zum Schluss: Jene die den Fall Klingenberg gebetsmühlenartig immer wieder wiederholen und in ihm den großen Beweis für die ganze Schlechtigkeit des Exorzismus sehen, sollten sich mal über die vielen Pfuschereien bei Psychotherapien informieren, die in keinem Verhältnis zu der geringen Anzahl der Opfer des Exorzismus stehen. Denn die Einheitlichkeit des Rituals, sowie die vorherige psychologische Untersuchung lassen keinen Raum für Fehldiagnosen. Damit möchte ich beileibe nicht behaupten, dass der Exorzismus ein Allheilmittel wäre, nein. Aber wenn eine Person glaubt, vom Teufel besessen zu sein, wird wohl eine, wenn auch nur vermeintliche Austreibung, oftmals mehr Erfolg haben, als konventionelle Behandlungsmethoden.

Meine zweite Anmerkung richtet sich an die Heuchler aus katholischen Kreisen, die den Exorzismus entschieden ablehnen, aber bei Taufen dann doch und oft ohne es zu bemerken, den kleinen Exorzismus beten.

Nun danket alle Gott – Die Heimkehr der Zehntausend

19. Juni 2009 von histo99

Eben habe ich mir auf youtube.de einen kurzen Filmausschnitt aus irgendeiner öffentlich-rechtlichen Dokumentation angesehen. Man sieht dort die sogenannte Heimkehr der Zehntausend und ich finde die Bilder sehr berührend, sodass ich sie niemanden vorenthalten möchte.

Konrad Adenauer selbst erreichte einst in Moskau, der sowjetischen Staatsführung die Freilassung der letzten zehntausend deutschen Kriegsgefangenen abzuringen. Man kann die bewegende Wirkung dieses Moments, wie er auch im Filmausschnitt zu sehen ist, nur dann vollständig begreifen, wenn man dazu einige Informationen im Hinterkopf behält.

Diese Männer waren einst ausgerückt um in einem der verheerensten und grausamsten Kriege der Weltgeschichte täglich ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Die Schrecken des täglichen Überlebenskampfes wirkten bis tief hinein in die Psyche dieser oftmals jungen Soldaten. Und selbst als der Krieg seinem Ende zuging, gab es für diese Männer keinen Grund, auf eine baldige Rückkehr in die Heimat, zu Frau und Kindern, hoffen zu dürfen. Die sowjetischen Arbeitslager sollten nun ihr bitteres Los werden. Man muss sich die Verzweiflung dieser Männer vorstellen, die oftmals zu 25 Jahre Sibirien verurteilt wurden. Heute ist der Ausmaß eines solchen Urteils einfach nur unvorstellbar. Fünfundzwanzigjährige sahen ihr Leben an sich vorbeiziehen, fühlten sich um ebenjenes betrogen und versanken nicht selten in totalste und schrecklichste Verzweiflung. „In 25 Jahren bin ich 50 Jahre“ – solche Gedanken müssen wohl unter bittersten Tränen in den Köpfen der jungen Männer umhergesponnen und ihnen jeglichen Lebensmut geraubt haben. Das bloße Denken an zuhause war wie eine ewig entfernte Illusion. Um die Jugend betrogen sollten sie nun erst als alte Männer, nach Hause zurückkehren, ohne die Garantie, dass die eigenen Angehörigen dann noch leben würden. Oder würden sie unter den gegebenen Bedingungen überhaupt zurückkehren? Man kann sich die Aussichtslosigkeit der Lage nicht vorstellen, aber schlimmere Gefühle wird man wohl nur selten zu empfinden haben.

Und unter diesen Voraussetzungen musste die Tat Adenauers im Jahre 1955, nach zehnjähriger Gefangenschaft, den Soldaten wie ein Wunder erscheinen. Plötzlich hieß es, sie dürften heim. Welch Freude muss wohl die abgehärmten Leiber der letzten Kriegsgefangenen durchfahren haben, sodass die Ankunft in Friedland ein so emotionales Ereignis war, dass man sich dies ebenso wenig wie die vorhin genannte Verzweiflung vorstellen kann. Und auch hier waren Freude und Trauer so nah beieinander, wie nur selten in der deutschen Geschichte. Die Freude über den Vater, Ehemann, Sohn oder Bruder der wie durch ein Wunder wieder zuhause war und der bittere Schmerz der vielen, die vergeblich warteten und deren Hoffnung unter bangen Tränen neben freudigen Widersehensszenen auf ewig starb.

Und nach all diesen Entbehrungen, nach all dem bitteren Leid, stimmten die letzten Heimkehrer aus tiefster Dankbarkeit und stärkster Überzeugung einen Dankchoral für den Allmächtigen an, der sie trotz allem nie verlassen hatte: „Nun danket alle Gott“. Dieses unglaubliche Gottvertrauen und dieser Gesang aus rauen Männerkehlen, die ihren Glauben nie verloren hatten, muss einem noch heute Schauer über den Rücken jagen und lässt uns vielleicht auch die Nichtigkeit unserer vielen kleinen Probleme, die wir für so unüberwindbar halten, erkennen.

„Ich fühle mich als Europäer“ und die Konsequenzen

18. Juni 2009 von histo99

„Ich fühle mich als Europäer“ ist heutzutage ein häufig zu hörender Satz auf deutschen Straßen, oft ausgesprochen von Personen, die sich selbst politisch weder links noch rechts noch sonst irgendwo einstufen, sondern mainstreammäßig den farblosen Begriff „Mitte“ für sich in Anspruch nehmen. Ich möchte mich hier nicht über „die Mitte“ auslassen, die jedoch dem Zeitgeist entsprechend eher links steht und das dazu gehörende Gutmenschentum in seiner heuchlerischsten Erscheinungsart verkörpert.

Nein, es soll um den einleitenden Satz „Ich fühle mich als Europäer“ gehen. Dieser Satz ist nämlich in seiner Gänze nur ein Lippenbekenntnis einer verblendeten Mehrheit, die sich unbedingt von allem abgrenzen möchte, was auch nur den Verdacht einer eher rechtsgerichteten Anschauung erwecken könnte. Ich schätze in 75 % der Fälle dürfte dies der wahre Grund für diese Aussage sein. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Satz und wieso gilt er eigentlich für mich nicht uneingeschränkt? Oder tut er dies gar?

Nun, am Anfang muss die Frage stehen, ob ich ein Europäer bin. Sicher bin ich das. Das kann ich nicht abstreiten. Aber ich bin es bestimmt nicht in dem Sinne, wie es die restlichen 25 % der linken Meinungsmacher gern hätten. Ich bin kein EU-Unterstützer. Und das ist letztendlich mit Europäer gemeint.

Dennoch bin ich Europäer mit Leib und Seele. Ich bekenne mich nämlich zu einem Eckpfeiler des menschlichen Daseins, der Kultur. Und die abendländische Kultur ist nun mal eine beinahe gesamteuropäische Kultur, vom orthodoxen Teil Europas abgesehen. Damit bin ich kulturell ein Europäer, ganz ohne Frage. Ich bekenne mich auch ehrlich zu dieser Kultur, geprägt einerseits von antiken griechischen und römischen Grundpfeilern, andererseits von der europäisch-katholischen und später teilweise auch europäisch-protestantischen Christenheit. Diese kulturellen Prägefaktoren verbinden die Völker Europas wahrlich. Sie gaben und geben uns ein Wertesystem, welches als europäisch bezeichnet werden darf. Nun muss aber dieser Gedankengang folgerichtig weitergeführt werden. Wenn diese kulturellen Gemeinsamkeiten mich in kultureller Hinsicht zum Europäer machen, dann müssen mich die spezifisch deutschen Ausformungen dieser Kultur aber auch die große Masse der anderen nationalen Einflussfaktoren, die sicherlich so zahlreich sind wie die gesamteuropäischen Faktoren, zu einem Deutschen machen. Immerhin gibt es z.B. keine europäische Sprache und Gott bewahre uns vor eben einer solchen! Von daher kann eigentlich kein Mensch sagen „Ich fühle mich als Europäer“, ohne sich in der Folge auch als Deutscher zu fühlen, bzw. als Angehöriger seines Volkes. Und hier zeigt sich die Heuchelei des Zeitgeistes, der ohne Rücksicht auf logische Folgeschlüsse einfach eine starre Blickrichtung annimmt und diese durch solch unsinnige Phrasen zum Ausdruck bringt. Sicher, ich bin Europäer, kulturell und auch geographisch. Aber in der Folge muss ich auch Deutscher sein!

Anmerkungen zum Lied der Deutschen

21. April 2009 von histo99

So mancher wird sich wundern, dass ich dem Deutschlandlied nochmals einen Blogeintrag widme. Ich möchte kurz erklären warum. Mein erster Eintrag zu diesem Thema „Deutschland über alles!“ hat natürlich nichts an seiner Gültigkeit verloren. Ich war nur aus rein schulischen Gründen dazu gezwungen mich nochmals genauer mit dem Text und der Melodie der Hymne auseinanderzusetzen, sodass ich hierzu nochmals etwas genauere Ausführungen gemacht habe. Betont werden soll jedoch, dass sich in diesem Beitrag nichts über die Geschichte des Liedes als Hymne findet und auch nichts zum angeblichen Verbot (Die Strophe „Deutschland, Deutschland über alles“ ist nicht verboten!). Wer hieran ebenfalls Interesse hat, den möchte ich also hiermit auf einen älteren Blogeintrag mit dem Titel „Deutschland über alles!“ verweisen.

Nun aber genug der Vorrede. Es folgt mein zweiter Beitrag zum Lied der Deutschen.

Hierzu erst nochmal der Text:

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
|: Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt! :|
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
|: Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang! :|
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
|: Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland! :|

Selbstverständlich ist das Lied der Deutschen in seiner Gesamtheit nicht die wortgewordene deutsche Großmannssucht, als die es heute gerne angesehen wird. Auch hier gilt, dass man dieses hochpatriotische Lied im Geist seiner Entstehungszeit betrachten muss. Hoffmann von Fallersleben selbst war ein glühender Patriot und der Zustand eines zerteilten Vaterlands musste ihm wie ein Stachel im Herzen erscheinen. Auch er hatte wohl die ewige Kleinstaaterei satt und in seinem „Lied der Deutschen“ zeigt sich dies mehr als deutlich. Deshalb auch die Worte „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Für ihn als Patrioten hatte die Einigung des deutschen Vaterlandes allerhöchste Priorität vor allen anderen Problemen der damaligen Welt. Und dieses noch fiktive Deutschland, dessen Entstehung über allem stehen soll, wird auch gleich umrissen, durch Maas und Memel, durch Etsch und Belt. Dies sind die Grenzen jenes deutschen Vaterlandes, welches Hoffmann von Fallersleben sich wünscht. Weshalb er die Grenzen so zieht, lässt sich leicht nachvollziehen. Hier gilt: „So weit die deutsche Zunge klingt“, denn jene Grenzen sind zugleich in etwa die deutschen Sprachgrenzen. Und dieses erstrebte Deutschland soll brüderlich zusammenhalten, denn Brüder sind die deutschen Volksstämme für Fallersleben allemal. Und dies alles zum Schutz und Trutze der Nation, den nur geeint ist Deutschland stark. Fallersleben hatte wohl noch die gerade vergangene Rheinkrise in Erinnerung, bei der der Deutsche Bund nur äußerst zaghaft reagierten konnte.

In der zweiten Strophe erfolgt ein Hochgesang auf alles Deutsche und dies ist wohl unter dem stark patriotischen Aspekt der damaligen Zeit zu sehen. All diese schönen und guten Dinge sollen ihren schönen Klang in der Welt behalten und natürlich kann z.B. der deutsche Sang keinen schönen Klang mehr in der Welt haben, wenn es kein einiges Deutschland gibt. Dann ist der Sang nämlich nur noch bayerisch oder fränkisch oder rheinländisch oder märkisch. Und so weißt auch dies auf die Forderung und die tiefe Hoffnung auf ein baldig geeintes deutsches Vaterland hin. Auch sollen die genannten Dinge zu edler Tat begeistern, hier vielleicht zum Bestreben, ein Deutschland zu schaffen.

Die letzte Strophe, welche auch unsere heutige Nationalhymne ist, zeigt dann den liberalen Zeitgeist, der sich mit dem nationalen Zeitgeist vermischt hatte. Für jenes Deutschland, welches Fallersleben in der ersten Strophe umrissen hatte, fordert er nun Einigkeit und Recht und Freiheit. Diese drei Schlagwörter gehen für ihn einher. Sie sind untrennbar im Zeitgeist verankert. Nur die Einigkeit kann zu Recht und Freiheit führen. Nur ein geeintes Volk kann den Bürgern Recht und Freiheit bringen. Und die Einigkeit kann es nur durch Freiheit geben. Die Freiheit ist also die Nation. Nach diesem Idealzustand müssen alle Deutschen streben, „brüderlich mit Herz und Hand“. Auch hier betont Fallersleben wieder, dass alle Deutschen Brüder sind, unabhängig ihres Volksstammes. Und dann erwähnt er jene drei Schlagwörter nochmals und er sagt, dass sie des Glückes Unterpfand sind und fordert das Vaterland auf, durch diese drei Maximen zu blühen zu beginnen. Dies trifft wohl sehr stark den Zeitgeist. Das deutsche Vaterland muss nach diesen drei Prinzipien erstehen, nur so kann den Bürgern ihr Glück entstehen und dies hat höchste Priorität: Deutschland, Deutschland über alles!

Auffällig ist auch, dass das Lied der Deutschen zur Melodie der Kaiserhymne gesungen wurde. Dies liegt wohl daran, dass dies eine enorme Symbolkraft hatte. Die Kaiserhymne war die Hymne auf den deutsch-römischen Kaiser Franz II., der den alten Universalismus und die Kleinstaaterei im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation verkörperte. Durch die Übernahme der Melodie unter Abänderung des Textes zeigte sich symbolisch, dass der Zeiten Wende gekommen war. Nicht mehr der alte Universalismus und die Interessen des Adels standen im Mittelpunkt. Diese sollten nun endgültig durch den Nationalstaat eines freien Volkes abgelöst werden. Nationalismus statt Universalismus, Demokratie statt Monarchie. Dies sollte der neue Text zur alten Melodie verkörpern. Schon allein der krasse Gegensatz im ersten Vers zeigt dies mehr als deutlich. Hier stehen sich „Gott erhalte Franz den Kaiser“ und „Deutschland, Deutschland über alles“ gegenüber. Nun also nicht mehr irgendein Monarch, sondern das deutsche Vaterland hatte oberste Priorität.