Vor etwa 2000 Jahren verbrannte in Alexandria ein so unwiederbringlicher Schatz an Wissen, dass man auch heute unmöglich im Stande ist, die enormen Auswirkungen dieses Brandes auch nur ansatzweise zu ermessen. So mancher würde wohl bittere Tränen weinen, wenn er wüsste, welche Perlen an Weltwissen damals in der Bibliothek in Flammen aufgingen.
Ähnlich, wenn auch schleichend, marschieren wir heute ebenfalls in eine Richtung, in der wir fahrlässig Weltwissen riskieren, indem wir zusehen, wie langsam Bücher nicht mehr gedruckt, sondern nur noch digital erstellt werden, wodurch sie dann nur noch mit entsprechender Hardware wie Amazon Kindle gelesen werden können. Nun sind wir erst am Anfang dieses Weges, doch dass eben jener Pfad ein sehr gefährlicher ist, möchte ich hier kurz darlegen.
Zu allererst müssen wir uns klar werden, was eine Digitalisierung von Büchern bedeutet. Die Lesegeräte für diese Bücher unterstützen jeweils nur einige Formate, sodass man nicht mehr jeder Buch auf jedem Lesegerät ansehen kann. Damit wird das zugängliche Wissen schon mal eingeschränkt. Doch diese Auswirkung wäre noch gering, jedoch muss man in weiteren Maßstäben denken. Dass uns Wissen aus Tausenden von Jahren erhalten geblieben ist, liegt vornehmlich daran, dass es auf Papyrus, Pergament oder Papier niedergeschrieben wurde. Man brauchte also kein zusätzliches Lesegerät, lediglich die Schrift und die Sprache mussten teilweise entschlüsselt werden. Nun stellen wir uns vor, jene antiken und mittelalterlichen Völker hätten ebenfalls eine Art Amazon Kindle benutzt. Die Folge wäre doch, dass man als Archäologe erst ein Lesegerät entwickeln müsste, dass die Daten einsehbar macht. Schon dies wäre bei der Möglichkeit an Verschlüsselungen und Formaten ein Ding der Unmöglichkeit. Und selbst wenn man dies schaffen würde, so müsste dennoch die antike Schrift übersetzt werden, wodurch insgesamt der Mehraufwand ins Unermessliche steigt. Dann stellt sich außerdem noch die Frage, ob die Daten überhaupt solange haltbar sind und ob die Speichermedien nicht schon lange zerstört und das Wissen somit unwiederbringlich verloren ist. Man stelle sich vor, die alten Griechen hätten ihr Wissen auf CDs gespeichert. Alles wäre heute verloren, das Abendland als solches könnte nicht existieren, außer jemand hätte die alten Schriften jeweils an das modernste Format angepasst.
Nun haben die antiken Völker Gott sei Dank ihre Schriften aus Mangel an Möglichkeiten analog und damit einfach zugänglich verfasst. Aber was werden die Menschen in tausend Jahren sagen? Wird ihnen die Digitalisierung der heutigen Bücher ebenfalls wie der Bibliotheksbrand von Alexandria erscheinen, da Wissen auf ewig verloren ging, weil z.B. ein Virus alle gespeicherten Bücher und damit das Wissen und die Ideen zerstört hat? Gut möglich wäre es. Deshalb sollte man diese neumodische Erscheinung der elektronischen Buchlesegeräte in jedem Fall boykottieren.
Hinzu kommt im Übrigen auch ein gänzlich anderer Aspekt: Die sich anbahnende Wirtschaftsdiktatur. Amazon hat nämlich vor einigen Wochen skrupellos die Bücher „Animal Farm“ und „1984“ von George Orwell, über drahtlose Netze einfach von den Geräten gelöscht, weil man merkte, dass man keine Urheberrechte für diese Bücher hatte. Man stelle sich vor ein Buchhändler steigt des Nachts in die Häuser seiner Kunden, nimmt ihnen ihre Bücher weg und legt dafür das Geld auf den Tisch. Aber man hat diese Affront geschluckt und die Sache zeigt eigentlich nur, dass wir auf den besten Weg in die totale Medienkontrolle durch die Wirtschaft sind.


