„Frage an Radio Eriwan“ – Flüsterwitze im Sozialismus

23. Juni 2009 by histo99

Ohne Frage sind Witze oftmals ein Ventil einer Gesellschaft um ihrem Ärger über Missstände Luft zu machen. So ist es überall auf der Welt und so war es auch in der Sowjetunion, wo es eine ganz besondere Art des politischen Witzes gab, die sogenannten Radio-Erwian-Witze. Sie sind geprägt von bitterböser Zynik und schwarzem Humor und machen sich vor allem über die Verhältnisse in der Sowjetunion lustig. Ganz egal ob es jetzt um die Entbehrungen und Repressalien des real existierenden Sozialismus handelt, um seine Propagandamaschinerie oder um die marxistisch-leninistische Theorie. Dazu mal ein Beispiel:

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass in den USA jeder ein Auto hat?“

„Im Prinzip ja, aber bei uns hat dafür jeder einen Parkplatz.“

Eine Anspielung auf den akuten Mangel an Automobilen. Hier sieht man vor allem auch den Aufbau solcher Radio-Eriwan-Witze. Es beginnt immer mit „Frage an Radio Eriwan:“ und meist dreht sich der Inhalt um eine Erscheinung im System der Sowjetunion. Dann folgt die Antwort von Radio Eriwan, welche ebenfalls beinahe immer mit „Im Prinzip ja“ oder „Im Prinzip nein“ beginnt und dann die ganze Frage durch überspitzte oder kleinkarierte, vor allem aber unerwartete Antworten, völlig ins Absurde zieht und sich so über den Sozialismus lustig macht.

Meinen Humor treffen diese Witze sehr oft und ich hoffe, dass meinen Lesern bei den folgenden Beispielen das eine oder andere Schmunzeln entkommen wird.

Frage an Radio Eriwan: „Darf ein kleiner Parteifunktionär einen großen Parteifunktionär kritisieren?”

“Im Prinzip ja, aber es wäre echt schade um den kleinen Parteifunktionär.“

Frage an Radio Eriwan: „Gibt es in der Sowjetunion eine Pressezensur?“

„Im Prinzip nein. Es ist uns aber leider nicht möglich, auf diese Frage näher einzugehen.“

Frage an Radio Eriwan: „Hätte die Katastrophe von Tschernobyl verhindert werden können?“

„Im Prinzip ja, wenn nur die Schweden es nicht ausgeplaudert hätten.“

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, dass die Sowjetunion bei der Mikrotechnologie besser als die USA ist?“

„Im Prinzip ja. Wir fertigen die größten Mikrochips der Welt.”

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, dass der liebe Gott Parteigenosse werden kann?“

„Im Prinzip ja, nur müsste er vorher aus der Kirche austreten.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass auch Flöhe und Wanzen eine Revolution machen könnten?“

„Im Prinzip ja, denn auch in ihnen fließt das Blut der Arbeiterklasse…“

Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, daß Genosse Chruschtschow gegen Kennedy ein Autorennen gefahren hat?

“Im Prinzip ja. Chruschtschow belegte einen ehrenvollen zweiten Platz, während Kennedy nur Vorletzter wurde.”

Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, dass das Eingreifen der sowjetischen Truppen im Prager Frühling auf ein Hilfeersuchen der tschechoslowakischen Regierung zurückgeht?”

“Im Prinzip ja. Das Hilfeersuchen stammt aus dem Jahr 1939 und konnte 1968 positiv beantwortet werden.”

Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, dass in der Ukraine der Weizen so hoch wie Telegraphenmaste wächst?”

“Im Prinzip ja. Aber nicht so hoch, sondern so weit auseinander.”

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass der Kapitalismus am Abgrund steht?“

„Im Prinzip ja, aber wir sind dabei, ihn zu überholen.“

Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, dass sich in der Sowjetunion Stereoanlagen erübrigen?”

„Im Prinzip ja. Man hört sowieso von allen Seiten das gleiche.“

Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass Stalin Witze über sich sammelt?“

„Im Prinzip ja, aber zuerst sammelt er die Leute, die diese Witze erzählen.“

Frage an Radio Eriwan: „Was wäre passiert, wenn an Stelle von Kennedy Ulbricht ermordet worden wäre?“

„Schwierige Frage. Eins ist aber sicher: Onassis hätte die Witwe mit Sicherheit nicht geheiratet.“

Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es dass man in Moskau die Blumen in Restaurants nicht gießen darf?”

„Im Prinzip ja, sonst würden die Wanzen rosten“

Frage an Radio Eriwan: “Könnte man auch in der Schweiz den Sozialismus einführen?”

„Im Prinzip ja, aber es wär schade um das schöne Land.“

Frage an Radio Erwian: “Darf man die Partei kritisieren?”

„Im Prinzip ja, aber es lebt sich besser in den eigenen vier Wänden.“

Frage an Radio Eriwan: “Kann man den Unterschied zwischen Demokratie und Volksdemokratie einfach erklären?”

„Im Prinzip ja; wie zwischen Jacke und Zwangsjacke.“

Frage an Radio Eriwan: “Können Sie uns sagen, wo der Erfinder der Radio-Eriwan-Witze sitzt?”

„Wir wissen nicht, wo er sitzt, aber er sitzt bestimmt.“

Buchtipp: „Die Revolution entlässt ihre Kinder“

22. Juni 2009 by histo99

Heute möchte ich ein Buch kurz vorstellen und auch empfehlen, welches ich vor wenigen Wochen gelesen habe und dessen Inhalt ich doch sehr interessant finde. Der Titel lautet, wie oben zu sehen, „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ und geschrieben wurde es von Wolfgang Leonhard. Die Tatsache, dass das Buch bereits im Jahre 1954 erschienen ist, tut dem Inhalt hierbei keinen Abbruch, da es im Prinzip autobiographisch verfasst wurde. Das Besondere ist aber, dass Leonhard als deutsches Emigrantenkind in der Sowjetunion unter Stalin aufwuchs und dort zum kommunistischen Funktionär ausgebildet wurde. Somit vermitteln die Schilderungen Leonhards vor allem den Alltag in der stalinistischen Sowjetunion und zeigt auf fatalste Weise die Erziehungsmethoden und eigentlich auch das ganze Innenleben des Systems auf. Das ist auch einer der interessanten Aspekte des Buches. So lernt man das Leben in der Sowjetunion dieser Tage nicht nur kennen, sondern erhält durch den Umstand, dass Leonhard zum Funktionär ausgebildet wurde, auch einen Einblick in die Funktionsweisen und Denkstrukturen des stalinistischen Staates: von der normalen Schule über die Verhaftung seiner Mutter und deren Rechtfertigung, bis zu der Kominternschule mit Kritik und Selbstkritik.

Hinzu kommt noch ein weiterer Faktor, der dem Buch einen gewissen Reiz gibt. Leonhard wurde nämlich mit der Gruppe Ulbricht nach Berlin geschickt, um dort als kleines Grüppchen die Weichen für die Sowjetisierung des Landes und für den Aufbau der DDR zu stellen. Und alle Mitglieder der Gruppe Ulbricht wurden letztendlich hohe Funktionäre der DDR, lediglich Leonhard brach mit dem System und floh. Nun denke ich aber, dass jemand wie Leonhard durchaus die Chance gehabt hätte, eines Tages Generalsekretär der SED oder eine ähnliche Position einzunehmen. Und ich finde, dieses Wissen im Hinterkopf, dass jener Mann die höchstmögliche politische Ausbildung in der Sowjetunion genoss und dass er, wenn er nicht geflohen wäre, wahrscheinlich heute seinen Platz in den Geschichtsbüchern hätte, macht das Buch noch mal lesenswerter, als es ohnehin schon ist.

Alles in allem finde ich die Materie höchst interessant, zumal gute Bücher über das Leben in der Sowjetunion in deutscher Sprache leider rar sind. In dieser Hinsicht würde ich dieses Buch als besondere Perle bezeichnen, für die eine Investition höchst lohnenswert ist.

Eine kurze Stellungnahme für den Exorzismus

20. Juni 2009 by histo99

Exorzismus bedeutet für viele heute ein düsteres Ritual, welches in fatalster Weise an die ungedruckte Glaubenszeit des Mittelalters erinnert und die angebliche Rückständigkeit der katholischen Kirche aufzeigt. Doch ich finde, wie bei so vielen Sachverhalten im Bezug auf die katholische Kirche, sollte man es sich auch hier nicht zu einfach machen.

Zunächst einmal sollte man grundsätzlich unbefangen an das Thema herangehen und ich gestehe ein, dass ich zwar durchaus interessiert bin, mich aber nicht zu den „Laienexperten“ zählen würde. Ich habe noch nicht einmal ein Buch von Gabriele Amorth gelesen, was ich aber binnen kurzer Zeit nachzuholen gedenke. Trotzdem möchte ich nun versuchen, einige Denkansätze vorzubringen, die den Exorzismus, die Teufelsaustreibung also, in einem ungewohnten Licht erscheinen lassen.

Grundsätzlich ist auf den ersten Blick die ganze Legitimität des Exorzismus abhängig von der Frage, ob das fleischgewordene Böse, der ewige Verführer den wir Teufel oder Satan nennen, wirklich existiert. Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten und ich persönlich glaube an den Teufel und dass er von Menschen Besitz ergreifen kann. Wenn ich nun Recht hätte, dann wären nun eigentlich meine Ausführungen zu Ende. Denn bei einer Existenz Luzifers hätte das Ritual höchste Rechtmäßigkeit. Und ich denke, wenn ein Mensch plötzlich im Wahn fließend Sprachen spricht, die er nie gelernt hat, dann ist dies schon ein gewichtiger Hinweis darauf, dass hinter einer Besessenheit mehr als nur eine Epilepsie steckt. Aber letztendlich können wir die Frage nach der Existenz des Teufels nicht beantworten, weshalb nun natürlich auch noch die zweite Möglichkeit bleibt: Der Teufel existiert nicht.

Hier kann man gleich eine Einschränkung machen, nämlich die, dass selbst bei einer Existenz der Teufels, viele angeblich „Besessene“ trotzdem nur einen psychisches Leiden haben und Satan nicht von ihnen Besitz ergriffen hat. Nun, selbst wenn wir annehmen, dass dies die Regel ist (und auch ich glaube, dass die allergrößte Zahl von Besessenheiten auf die Psyche zurückzuführen sind), so darf man doch eines nicht übersehen: In 99% der Fälle erfolgt ein Exorzismus freiwillig und nach entsprechenden negativen Tests auf Epilepsie. So, nun haben jene Menschen vielleicht wirklich eine andere geistige Krankheit. Aber sie glauben, dass sie vom Teufel besessen sind. Und das Exorzismusritual, dass sie nun beantragen ist sozusagen eine Art der Psychotherapie. Denn was hilft einem Menschen der glaubt, dass er besessen ist wohl mehr? Ein Psychiater, bei dem er sich nicht ernst genommen fühlt, oder ein katholischer Priester, der durch das Ritual dem Menschen genau das gibt, von dem er sich erhofft geheilt zu werden. Eine Mischung aus Placebo und Psychotherapie also. Und vor allem Italien beweist, dass dies Methode hat. Exorzisten waren somit die ersten Psychiater und in einer gewissen Weise sind sie es auch heute noch.

Doch nun werden viele mahnend ihren Zeigefinger erheben und mit zitternder Stimme den Ortsnamen „Klingenberg am Main“ aussprechen und uns alle den tragischen Fall der Studentin Anneliese Michel in Erinnerung rufen, bei der der letzte offizielle Exorzismus in Deutschland durchgeführt wurde und die daran qualvoll verstarb. Da lässt sich zunächst auch nichts wegleugnen oder beschönigen. Aber es wird wohl der einzige Fall bleiben, den Kritiker nennen können, da unter Tausenden von Exorzismen nur dieser eine wirklich schief gegangen ist. Aber das beste Gegenbeispiel ist ja Italien, wo am Tage hunderte von offiziellen Teufelsaustreibungen vorgenommen werden, die allesamt glimpflich und nach dem Rituale Romanum oftmals mit Erfolg gekrönt ablaufen. Nochmal: Zum Exorzismus wird niemand gezwungen, die Leute glauben, dass sie besessen sind und in diesem Fall ist eine Teufelsaustreibung nun mal die beste Methode um auch einer geistigen Erkrankung Herr zu werden.

Noch zwei Anmerkungen zum Schluss: Jene die den Fall Klingenberg gebetsmühlenartig immer wieder wiederholen und in ihm den großen Beweis für die ganze Schlechtigkeit des Exorzismus sehen, sollten sich mal über die vielen Pfuschereien bei Psychotherapien informieren, die in keinem Verhältnis zu der geringen Anzahl der Opfer des Exorzismus stehen. Denn die Einheitlichkeit des Rituals, sowie die vorherige psychologische Untersuchung lassen keinen Raum für Fehldiagnosen. Damit möchte ich beileibe nicht behaupten, dass der Exorzismus ein Allheilmittel wäre, nein. Aber wenn eine Person glaubt, vom Teufel besessen zu sein, wird wohl eine, wenn auch nur vermeintliche Austreibung, oftmals mehr Erfolg haben, als konventionelle Behandlungsmethoden.

Meine zweite Anmerkung richtet sich an die Heuchler aus katholischen Kreisen, die den Exorzismus entschieden ablehnen, aber bei Taufen dann doch und oft ohne es zu bemerken, den kleinen Exorzismus beten.

Nun danket alle Gott – Die Heimkehr der Zehntausend

19. Juni 2009 by histo99

Eben habe ich mir auf youtube.de einen kurzen Filmausschnitt aus irgendeiner öffentlich-rechtlichen Dokumentation angesehen. Man sieht dort die sogenannte Heimkehr der Zehntausend und ich finde die Bilder sehr berührend, sodass ich sie niemanden vorenthalten möchte.

Konrad Adenauer selbst erreichte einst in Moskau, der sowjetischen Staatsführung die Freilassung der letzten zehntausend deutschen Kriegsgefangenen abzuringen. Man kann die bewegende Wirkung dieses Moments, wie er auch im Filmausschnitt zu sehen ist, nur dann vollständig begreifen, wenn man dazu einige Informationen im Hinterkopf behält.

Diese Männer waren einst ausgerückt um in einem der verheerensten und grausamsten Kriege der Weltgeschichte täglich ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Die Schrecken des täglichen Überlebenskampfes wirkten bis tief hinein in die Psyche dieser oftmals jungen Soldaten. Und selbst als der Krieg seinem Ende zuging, gab es für diese Männer keinen Grund, auf eine baldige Rückkehr in die Heimat, zu Frau und Kindern, hoffen zu dürfen. Die sowjetischen Arbeitslager sollten nun ihr bitteres Los werden. Man muss sich die Verzweiflung dieser Männer vorstellen, die oftmals zu 25 Jahre Sibirien verurteilt wurden. Heute ist der Ausmaß eines solchen Urteils einfach nur unvorstellbar. Fünfundzwanzigjährige sahen ihr Leben an sich vorbeiziehen, fühlten sich um ebenjenes betrogen und versanken nicht selten in totalste und schrecklichste Verzweiflung. „In 25 Jahren bin ich 50 Jahre“ – solche Gedanken müssen wohl unter bittersten Tränen in den Köpfen der jungen Männer umhergesponnen und ihnen jeglichen Lebensmut geraubt haben. Das bloße Denken an zuhause war wie eine ewig entfernte Illusion. Um die Jugend betrogen sollten sie nun erst als alte Männer, nach Hause zurückkehren, ohne die Garantie, dass die eigenen Angehörigen dann noch leben würden. Oder würden sie unter den gegebenen Bedingungen überhaupt zurückkehren? Man kann sich die Aussichtslosigkeit der Lage nicht vorstellen, aber schlimmere Gefühle wird man wohl nur selten zu empfinden haben.

Und unter diesen Voraussetzungen musste die Tat Adenauers im Jahre 1955, nach zehnjähriger Gefangenschaft, den Soldaten wie ein Wunder erscheinen. Plötzlich hieß es, sie dürften heim. Welch Freude muss wohl die abgehärmten Leiber der letzten Kriegsgefangenen durchfahren haben, sodass die Ankunft in Friedland ein so emotionales Ereignis war, dass man sich dies ebenso wenig wie die vorhin genannte Verzweiflung vorstellen kann. Und auch hier waren Freude und Trauer so nah beieinander, wie nur selten in der deutschen Geschichte. Die Freude über den Vater, Ehemann, Sohn oder Bruder der wie durch ein Wunder wieder zuhause war und der bittere Schmerz der vielen, die vergeblich warteten und deren Hoffnung unter bangen Tränen neben freudigen Widersehensszenen auf ewig starb.

Und nach all diesen Entbehrungen, nach all dem bitteren Leid, stimmten die letzten Heimkehrer aus tiefster Dankbarkeit und stärkster Überzeugung einen Dankchoral für den Allmächtigen an, der sie trotz allem nie verlassen hatte: „Nun danket alle Gott“. Dieses unglaubliche Gottvertrauen und dieser Gesang aus rauen Männerkehlen, die ihren Glauben nie verloren hatten, muss einem noch heute Schauer über den Rücken jagen und lässt uns vielleicht auch die Nichtigkeit unserer vielen kleinen Probleme, die wir für so unüberwindbar halten, erkennen.

“Ich fühle mich als Europäer” und die Konsequenzen

18. Juni 2009 by histo99

„Ich fühle mich als Europäer“ ist heutzutage ein häufig zu hörender Satz auf deutschen Straßen, oft ausgesprochen von Personen, die sich selbst politisch weder links noch rechts noch sonst irgendwo einstufen, sondern mainstreammäßig den farblosen Begriff „Mitte“ für sich in Anspruch nehmen. Ich möchte mich hier nicht über „die Mitte“ auslassen, die jedoch dem Zeitgeist entsprechend eher links steht und das dazu gehörende Gutmenschentum in seiner heuchlerischsten Erscheinungsart verkörpert.

Nein, es soll um den einleitenden Satz „Ich fühle mich als Europäer“ gehen. Dieser Satz ist nämlich in seiner Gänze nur ein Lippenbekenntnis einer verblendeten Mehrheit, die sich unbedingt von allem abgrenzen möchte, was auch nur den Verdacht einer eher rechtsgerichteten Anschauung erwecken könnte. Ich schätze in 75 % der Fälle dürfte dies der wahre Grund für diese Aussage sein. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Satz und wieso gilt er eigentlich für mich nicht uneingeschränkt? Oder tut er dies gar?

Nun, am Anfang muss die Frage stehen, ob ich ein Europäer bin. Sicher bin ich das. Das kann ich nicht abstreiten. Aber ich bin es bestimmt nicht in dem Sinne, wie es die restlichen 25 % der linken Meinungsmacher gern hätten. Ich bin kein EU-Unterstützer. Und das ist letztendlich mit Europäer gemeint.

Dennoch bin ich Europäer mit Leib und Seele. Ich bekenne mich nämlich zu einem Eckpfeiler des menschlichen Daseins, der Kultur. Und die abendländische Kultur ist nun mal eine beinahe gesamteuropäische Kultur, vom orthodoxen Teil Europas abgesehen. Damit bin ich kulturell ein Europäer, ganz ohne Frage. Ich bekenne mich auch ehrlich zu dieser Kultur, geprägt einerseits von antiken griechischen und römischen Grundpfeilern, andererseits von der europäisch-katholischen und später teilweise auch europäisch-protestantischen Christenheit. Diese kulturellen Prägefaktoren verbinden die Völker Europas wahrlich. Sie gaben und geben uns ein Wertesystem, welches als europäisch bezeichnet werden darf. Nun muss aber dieser Gedankengang folgerichtig weitergeführt werden. Wenn diese kulturellen Gemeinsamkeiten mich in kultureller Hinsicht zum Europäer machen, dann müssen mich die spezifisch deutschen Ausformungen dieser Kultur aber auch die große Masse der anderen nationalen Einflussfaktoren, die sicherlich so zahlreich sind wie die gesamteuropäischen Faktoren, zu einem Deutschen machen. Immerhin gibt es z.B. keine europäische Sprache und Gott bewahre uns vor eben einer solchen! Von daher kann eigentlich kein Mensch sagen „Ich fühle mich als Europäer“, ohne sich in der Folge auch als Deutscher zu fühlen, bzw. als Angehöriger seines Volkes. Und hier zeigt sich die Heuchelei des Zeitgeistes, der ohne Rücksicht auf logische Folgeschlüsse einfach eine starre Blickrichtung annimmt und diese durch solch unsinnige Phrasen zum Ausdruck bringt. Sicher, ich bin Europäer, kulturell und auch geographisch. Aber in der Folge muss ich auch Deutscher sein!

Anmerkungen zum Lied der Deutschen

21. April 2009 by histo99

So mancher wird sich wundern, dass ich dem Deutschlandlied nochmals einen Blogeintrag widme. Ich möchte kurz erklären warum. Mein erster Eintrag zu diesem Thema “Deutschland über alles!” hat natürlich nichts an seiner Gültigkeit verloren. Ich war nur aus rein schulischen Gründen dazu gezwungen mich nochmals genauer mit dem Text und der Melodie der Hymne auseinanderzusetzen, sodass ich hierzu nochmals etwas genauere Ausführungen gemacht habe. Betont werden soll jedoch, dass sich in diesem Beitrag nichts über die Geschichte des Liedes als Hymne findet und auch nichts zum angeblichen Verbot (Die Strophe “Deutschland, Deutschland über alles” ist nicht verboten!). Wer hieran ebenfalls Interesse hat, den möchte ich also hiermit auf einen älteren Blogeintrag mit dem Titel “Deutschland über alles!” verweisen.

Nun aber genug der Vorrede. Es folgt mein zweiter Beitrag zum Lied der Deutschen.

Hierzu erst nochmal der Text:

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
|: Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt! :|
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
|: Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang! :|
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
|: Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland! :|

Selbstverständlich ist das Lied der Deutschen in seiner Gesamtheit nicht die wortgewordene deutsche Großmannssucht, als die es heute gerne angesehen wird. Auch hier gilt, dass man dieses hochpatriotische Lied im Geist seiner Entstehungszeit betrachten muss. Hoffmann von Fallersleben selbst war ein glühender Patriot und der Zustand eines zerteilten Vaterlands musste ihm wie ein Stachel im Herzen erscheinen. Auch er hatte wohl die ewige Kleinstaaterei satt und in seinem „Lied der Deutschen“ zeigt sich dies mehr als deutlich. Deshalb auch die Worte „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Für ihn als Patrioten hatte die Einigung des deutschen Vaterlandes allerhöchste Priorität vor allen anderen Problemen der damaligen Welt. Und dieses noch fiktive Deutschland, dessen Entstehung über allem stehen soll, wird auch gleich umrissen, durch Maas und Memel, durch Etsch und Belt. Dies sind die Grenzen jenes deutschen Vaterlandes, welches Hoffmann von Fallersleben sich wünscht. Weshalb er die Grenzen so zieht, lässt sich leicht nachvollziehen. Hier gilt: „So weit die deutsche Zunge klingt“, denn jene Grenzen sind zugleich in etwa die deutschen Sprachgrenzen. Und dieses erstrebte Deutschland soll brüderlich zusammenhalten, denn Brüder sind die deutschen Volksstämme für Fallersleben allemal. Und dies alles zum Schutz und Trutze der Nation, den nur geeint ist Deutschland stark. Fallersleben hatte wohl noch die gerade vergangene Rheinkrise in Erinnerung, bei der der Deutsche Bund nur äußerst zaghaft reagierten konnte.

In der zweiten Strophe erfolgt ein Hochgesang auf alles Deutsche und dies ist wohl unter dem stark patriotischen Aspekt der damaligen Zeit zu sehen. All diese schönen und guten Dinge sollen ihren schönen Klang in der Welt behalten und natürlich kann z.B. der deutsche Sang keinen schönen Klang mehr in der Welt haben, wenn es kein einiges Deutschland gibt. Dann ist der Sang nämlich nur noch bayerisch oder fränkisch oder rheinländisch oder märkisch. Und so weißt auch dies auf die Forderung und die tiefe Hoffnung auf ein baldig geeintes deutsches Vaterland hin. Auch sollen die genannten Dinge zu edler Tat begeistern, hier vielleicht zum Bestreben, ein Deutschland zu schaffen.

Die letzte Strophe, welche auch unsere heutige Nationalhymne ist, zeigt dann den liberalen Zeitgeist, der sich mit dem nationalen Zeitgeist vermischt hatte. Für jenes Deutschland, welches Fallersleben in der ersten Strophe umrissen hatte, fordert er nun Einigkeit und Recht und Freiheit. Diese drei Schlagwörter gehen für ihn einher. Sie sind untrennbar im Zeitgeist verankert. Nur die Einigkeit kann zu Recht und Freiheit führen. Nur ein geeintes Volk kann den Bürgern Recht und Freiheit bringen. Und die Einigkeit kann es nur durch Freiheit geben. Die Freiheit ist also die Nation. Nach diesem Idealzustand müssen alle Deutschen streben, „brüderlich mit Herz und Hand“. Auch hier betont Fallersleben wieder, dass alle Deutschen Brüder sind, unabhängig ihres Volksstammes. Und dann erwähnt er jene drei Schlagwörter nochmals und er sagt, dass sie des Glückes Unterpfand sind und fordert das Vaterland auf, durch diese drei Maximen zu blühen zu beginnen. Dies trifft wohl sehr stark den Zeitgeist. Das deutsche Vaterland muss nach diesen drei Prinzipien erstehen, nur so kann den Bürgern ihr Glück entstehen und dies hat höchste Priorität: Deutschland, Deutschland über alles!

Auffällig ist auch, dass das Lied der Deutschen zur Melodie der Kaiserhymne gesungen wurde. Dies liegt wohl daran, dass dies eine enorme Symbolkraft hatte. Die Kaiserhymne war die Hymne auf den deutsch-römischen Kaiser Franz II., der den alten Universalismus und die Kleinstaaterei im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation verkörperte. Durch die Übernahme der Melodie unter Abänderung des Textes zeigte sich symbolisch, dass der Zeiten Wende gekommen war. Nicht mehr der alte Universalismus und die Interessen des Adels standen im Mittelpunkt. Diese sollten nun endgültig durch den Nationalstaat eines freien Volkes abgelöst werden. Nationalismus statt Universalismus, Demokratie statt Monarchie. Dies sollte der neue Text zur alten Melodie verkörpern. Schon allein der krasse Gegensatz im ersten Vers zeigt dies mehr als deutlich. Hier stehen sich „Gott erhalte Franz den Kaiser“ und „Deutschland, Deutschland über alles“ gegenüber. Nun also nicht mehr irgendein Monarch, sondern das deutsche Vaterland hatte oberste Priorität.

Auf der Suche nach einem Schokonikolaus

5. Dezember 2008 by histo99

Ich muss kurz auf meinen gestrigen Beitrag “Moderne Weihnachten” eingehen, da ich ziemlich zu Beginn des Textes ein Wort vergessen habe. Dieses eine Wort hat aber den Sinn meiner gesamten Aussage völlig verändert. Der geneigte Leser wird die Unstimmigkeit wohl gemerkt haben, weil sich der Satz mit der Gesamtaussage des Textes beißt. Ich habe folgendes geschrieben: “Ich meine mit Weihnachten natürlich das echte althergebrachte Weihnachten und das neumodische amerikanisierte und internationalisierte Konsumweihnachtsfest, wo einem die “Ho Ho Ho”s vom Nikolaus des Kapitals und die “Last Christmas”s nur so um die Ohren fliegen, sei es nun im Radio oder in irgendeinem Kaufhaus.”

Schreiben wollte ich jedoch folgendes: “Ich meine mit Weihnachten natürlich das echte althergebrachte Weihnachten und nicht das neumodische amerikanisierte und internationalisierte Konsumweihnachtsfest, wo einem die “Ho Ho Ho”s vom Nikolaus des Kapitals und die “Last Christmas”s nur so um die Ohren fliegen, sei es nun im Radio oder in irgendeinem Kaufhaus.”

Ich habe es bereits ausgebessert, bitte jedoch den Leser um Beachtung!

So, nun möchte ich nochmal etwas im Bezug auf meinen gestrigen Text berichten. Ich habe ja lang und ausführlich von der Verdrängung des Schokonikolauses durch den Schokoweihnachtsmann geschrieben und musste feststellen, dass es fast noch schlimmer ist, als ich selbst angenommen habe. Heute war ich zufällig in einem REWE-Supermarkt und dachte mir, bei der Gelegenheit könnte ich doch gleich mal Ausschau nach einem Schokonikolaus halten, in dem Wissen, dass REWE sie vor (ich glaube) einem Jahr wieder eingeführt hat. So suchte ich also zwischen den vielen ewig-grinsenden Weihnachtsmännern, konnte aber nirgendwo einen Nikolaus mit Mitra, Bischofsstab und goldenen Buch finden. Nur dicke Weihnachtsmänner mit ihren Geschenksäcken. Ich verließ den Supermarkt letztendlich sehr enttäuscht. Zu allem Überfluss stand hinter mir an der Kasse ein (einheimischer) Junge, der zu seinem Vater sagte, er solle doch einen Schokoweihnachtsmann kaufen. Naja, wenn es nichts anderes mehr gibt… aber er hätte doch wenigstens einen Weihnachtsmann kaufen, ihn aber Nikolaus nennen können, um zu zeigen, dass dieser im kollektiven Gedächtnis noch verankert ist. Aber nichts dergleichen.

Ich selbst werde meine Suche jedoch nicht aufgeben, in der Hoffnung bis Weihnachten doch noch einen Schokonikolaus zu finden! Sollte mir das Glück in dieser Sache hold sein, werde ich natürlich darüber berichten.

Moderne Weihnachten

4. Dezember 2008 by histo99

Ich liebe Weihnachten. Das sage ich ganz offen. Allerdings muss ich mich schon jetzt einschränken. Ich meine mit Weihnachten natürlich das echte althergebrachte Weihnachten und nicht das neumodische amerikanisierte und internationalisierte Konsumweihnachtsfest, wo einem die “Ho Ho Ho”s vom Nikolaus des Kapitals und die “Last Christmas”s nur so um die Ohren fliegen, sei es nun im Radio oder in irgendeinem Kaufhaus.

Ich darf mich ja eigentlich nicht über den Weihnachtsmann aufregen. Entgegen meiner Annahme wurde der Weihnachtsmann nicht von Coca-Cola erfunden, sondern tauchte schon im 19. Jahrhundert auf. Schließlich schrieb schon der Dichter unserer Nationalhymne Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874) das Lied “Morgen kommt der Weihnachtsmann”. Vorlage für den Weihnachtsmann war wohl der heilige Bischof Nikolaus. Gut, infolgedessen ist der Weihnachtsmann wohl ein altes Phänomen, aber dieses Phänomen wurde in jüngster Zeit zugepackt mit amerikanisch-kapitalistischen Vorstellung, sodass der Weihnachtsmann heute größtenteils nur noch für Konsum steht und nebenbei in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz das Christkind verdrängt. Das wiederum stört mich extrem. Hier zeigt sich nur ein weiteres Mal, wie sehr die internationale Anpassung und das Absterben nationaler und regionaler Eigenheiten ohne Widerstand hingenommen wird. Ganz einfach deswegen weil es so schleichend vor sich geht. Aber immer noch schnell genug, alsdass alte Gewohnheiten in vielleicht zwanzig Jahren vollständig abgestorben sind. Wirtschaft und Handel tragen ihren Teil dazu bei. Den großen Konzernen erschien es anscheinend nicht mehr rentabel Schokonikoläuse herzustellen, sodass man sie über die Jahre langsam durch Schokoweihnachtsmänner ersetzte. Gut, in Norddeutschland kein Problem, weil da das Brauchtum um den heiligen Nikolaus nicht sonderlich weit verbreitet ist. Aber im Süden, in meiner Heimat, ist der Nikolaus untrennbar mit der Adventszeit verbunden. In den großen Städten hierzulande jedoch schon nicht mehr, da führt langsam aber sicher der Weihnachtsmann sein Regiment. Durch die Überpräsenz des Weihnachtsmannes im Fernsehen und auch sonst überall nimmt er den Platz von Nikolaus und Christkind ein. Dadurch wurde über nur eine Generation die Einstellung zu Weihnachten komplett geändert, ohne das die Menschen es eigentlich richtig gemerkt haben. Viele bilden sich ein frei zu sein und dann lassen sie sich soetwas von Rundfunk und Handel aufzwingen. Die Änderung des Sortiments von Schokonikoläusen zu Weihnachtsmänner habe ich übrigens am eigenen Teil mitbekommen. Als ich noch klein war, gab es eine Fülle von Nikoläusen in den Regalen. Heute steht, wenn es gut läuft, zwischen zwanzig verschiedenen Regalen Weihnachtsmännern gerade mal ein Regal voll Nikoläuse. Es ist klar, dass sich dieses Phänomen nur auf Süddeutschland und Österreich bezieht, wobei dieses “nur” eine ziemliche Verharmlosung darstellt. Im Norden hatte man nämlich leichtes Spiel, Weihnachten zu kommerzialisieren. Der Weihnachtsmann existierte schon, sodass er nur noch die amerikanische Bedeutung, die des Konsum, verpasst bekommen musste. Dies war durch das Fernsehen und einige Marketingtricks leicht zu handhaben. Und den selben Lauf wird es im Süden nehmen, wo der Weihnachtsmann nun langsam aber sicher Einzug hält.

Weihnachten als Fest des Konsums: Anfang September beginnt schon jetzt die Ausnutzung dieser Fehlentwicklung. Dann stehen sie in den Läden, die vielen Leckereien wie Lebkuchen, Spekulatius und … Schokoweihnachtsmänner. Sicher, es ist nicht schlecht, wenn der Handel seinen Teil zur gelungenen Weihnachtsstimmung beiträgt. Aber macht er das mit solchen Maßnahmen überhaupt? Dies ist wohl eher fraglich. Wie soll man solche Angebote mit Weihnachten in Verbindung bringen, wenn diese schon zu Herbstbeginn in den Regalen stehen? Das ganze ist selbstverständlich Geldmacherei, bei der man geschickt die Emotionen des Volkes ausnutzt um möglichst früh, möglichst viel Profit aus Weihnachten zu schlagen. In der Folge geht z. B. das eigenhändige Plätzchenbacken verloren, was aber eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Weihnachtszeit ist. Denn die werden Anfang Dezember gebacken und stimmen wirklich auf Advent und Weihnachtszeit ein. Und weil dieses Ritual dazu auch noch wiederkehrend ist, gibt es dem Menschen erst recht Halt in dieser hektischen Welt. Doch dieser Halt ist dem Großkapital natürlich egal.

Und wer leidet am meisten darunter? Natürlich die Kinder, die plötzlich nichts mehr von der alten Besinnlichkeit und Ruhe der “staaden Zeit”, der Advents- und Weihnachtszeit , kennenlernen. Für sie bleibt nur die gleiche Hektik und Konsumgeilheit, wie sie ihnen von den Erwachsenen vorgelebt wird. Auf was sollen sie sich aber auch freuen? Weihnachten beginnt ja nun schon im September und dauert bis zum Heiligen Abend, Punkt. Das einzige, was sie dann wollen sind Geschenke. Wer kann es ihnen aber auch verübeln? Die Werbung sagt es ihnen und die Erwachsenen steuern nicht dagegen. Auf was anderes können sie sich aber auch kaum freuen. Wie denn? Die Weihnachtszeit wird durch ihre zeitliche Ausdehnung beinahe für ein halbes Jahr zur Normalität. Die alten einheimischen und volkstümlichen Weihnachtslieder werden entweder durch die typisch amerikanischen Neoweihnachtslieder wie “Last Christmas” verdrängt und den Weihnachtsbaum sehen die Kleinen sowieso in heeren Mengen, oft übertrieben groß und völlig überkitscht in jedem Geschäft, wodurch der Vers “Wie wird dann die Stube glänzen, von der großen Lichterzahl” ad absurdum geführt wird. Die Stube ist eine ausgebrannte Glühbirne gegen die riesigen Kaufhäuser. Und naja, wenn alles drum herum wegfällt, dann bleiben natürlich nur die Geschenke, auf die dann umso mehr Wert gelegt wird. Bei meinem kleinen Cousin ist das nicht anders. Auch ihn hat der Christbaum nicht sonderlich fasziniert, weil er ihn schon viel zu oft in den Tempeln des Konsums gesehen hat.

Gegen solche geballte Herrlichkeit kommt dann auch das feierliche Rorate oder Engelamt in der Kirche nicht an. Man muss aber bedenken, dass Weihnachten ein christliches Fest war und ist. Die Gigakonzerne und das Kapital haben es nun tatsächlich geschafft, dies so umzumünzen, dass es nur noch Fest der hemmungslosen Konsumsucht ist. Alles andere wird ausgeblendet. Hinweg die Besinnlichkeit, hinweg das Brauchtum, hinweg der Halt, solange nur die Kassen klingeln. “Alt und Jung sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn” – die Aussage dieses Verses aus “Knecht Ruprecht” wird durch die Profitsucht völlig zunichte gemacht. Die Jagd des Lebens beginnt ja hier erst, nämlich durch die künstliche Hektik der Vorweihnachtszeit, die einem jede Gelegenheit für eine Verschnaufpause raubt. Und am Heilig Abend geht es wieder nur um Konsum. Unmittelbar danach geht die Hektik wieder weiter. Und das soll den Menschen glücklich machen? Er denkt, dass er so frei ist in seinen Entscheidungen und dann wird im eigentlich alles nur diktiert.

Letztendlich hebt sich Weihnachten nicht mehr sonderlich vom übrigen Jahr ab. Die Wirtschaft und die Interessen des Kapitals haben die Herrschaft über althergebrachte Bräuche und Traditionen gewonnen, die eigentlich den Menschen von seinen Problemen etwas frei machen sollten, ihm Halt gaben. Und der Mensch hat dies alles einfach so hingegeben, vor allem auch wir Deutsche. Nun geht es auch an Weihnachten nur um Konsum, sowie das restliche Jahr auch. Hauptsache der Wirtschaft geht es gut, Hauptsache Profite. Was dabei mit dem Mensche passiert, dass er dadurch kaputt geht, interessiert nicht. Und die junge Generation kennt es irgendwann nicht mehr anders. Die Kaufhäuser freuts.

Ich möchte ja gar nicht bestreiten, dass zu Weihnachten Geschenke gehören. Denen bin natürlich auch ich nicht abgeneigt. Auch das eine oder andere amerikanische und moderne Weihnachtslied ist in Maßen (nicht aber in Massen!) akzeptabel. Aber die Hektik und die völlige Übertreibung des Konsumsgedanken, sowie das Ausschlachten von Weihnachten bis zum letzten Cent ist inakzeptabel. Das hat nichts mit dem Sinn des Festes zu tun. Weihnachten ist das Fest von Christi Geburt, ein Fest der Ruhe und Besinnlichkeit, ein christliches Fest. Von daher muss man eher “Stille Nacht” mit Weihnachten verbinden als “Last Christmas” oder die Christmette eher als den Weihnachtseinkauf.

Ich persönlich versuche, all die neumodischen Einflüsse irgendwie an mir abprasseln zu lassen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zum Glück komme ich aus einer sehr brauchtumsreichen Region, wo sich Christentum und Heidentum in schönster Weise miteinander vermischt haben. Für mich beginnt die Weihnachtszeit mit dem Christkönigsfest und endet mit Heilig Drei König. Man könnte es eventuell noch etwas weiter fassen, von Martini bis Lichtmeß nämlich. In dieser Zeit liegen eine Vielzahl von Bräuchen, Traditionen usw. die mir Halt geben. Und das ist gerade natürlich. Wiederkehrendes, Vertrautes gibt den Menschen einfach Halt und Orientierung. Deshalb sollte man sich auf das wahre Weihnachten konzentrieren, nicht auf das übergestülpte. Man sollte das Brauchtum stärken, weil es den Menschen ausmacht, sowie die Traditionen.

Den am Anfang war nicht etwa der Konsum, am Anfang war das Wort, und das Wort ist Fleisch geworden!

Vom Scheitern deutscher Außenpolitik: Die Feindstaatenklausel

18. November 2008 by histo99

Jeder kennt die Vereinten Nationen (UN), welche als die Hüter des Weltfriedens gelten und zugleich eine internationale Diskussionsbasis und Forum zur globalen Zusammenarbeit bieten. Dies ist erst mal löblich, auch wenn ich persönlich denke, man sollte diese Organisation durch so etwas wie die “Vereinten Völker” zumindest ergänzen. Aber dies nur am Rande.

Nun braucht so eine riesige Organisation wie die UN ja zumindest sowas wie ein Statut. Dies hat sie auch und es ist allgemein bekannt als UN-Charta. Ich möchte gleich mal den Artikel 1, Abschnitt 2 zitieren:

Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele:

2. freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln und andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen;

Die angesprochene Selbstbestimmung der Völker ist hier sowieso nur eine hohle Phrase, da die UN sich nicht auf alle Völker sondern lediglich auf die Staatsvölker ausgerichtet hat, deshalb auch meine Forderung nach den “Vereinten Völkern”. Aber noch etwas anderes wiegt hier vor allem für Deutschland schwer. Es heißt doch, dass man Beziehungen zwischen den Völkern schaffen möchte, welche auf Gleichberechtigung beruhen. Klingt ja schön und gut, doch stößt man tiefer in die Charta vor, so fällt etwas auf, was man heute als Feindstaatenklausel bezeichnet. Ich zitiere den hierfür relevanten Artikel 53 und hebe Wichtiges hervor:

  1. Der Sicherheitsrat nimmt gegebenenfalls diese regionalen Abmachungen oder Einrichtungen zur Durchführung von Zwangsmaßnahmen unter seiner Autorität in Anspruch. Ohne Ermächtigung des Sicherheitsrats dürfen Zwangsmaßnahmen auf Grund regionaler Abmachungen oder seitens regionaler Einrichtungen nicht ergriffen werden; ausgenommen sind Maßnahmen gegen einen Feindstaat im Sinne des Absatzes 2, soweit sie in Artikel 107 oder in regionalen, gegen die Wiederaufnahme der Angriffspolitik eines solchen Staates gerichteten Abmachungen vorgesehen sind; die Ausnahme gilt, bis der Organisation auf Ersuchen der beteiligten Regierungen die Aufgabe zugewiesen wird, neue Angriffe eines solchen Staates zu verhüten.
  2. Der Ausdruck “Feindstaat” in Absatz 1 bezeichnet jeden Staat, der während des Zweiten Weltkriegs Feind eines Unterzeichners dieser Charta war.

Dies hört sich etwas verwirrend an, ist aber, wenn man es entwirrt ein gar kein so leicht verdaubarer Brocken. Also, erst einmal muss der UN-Sicherheitsrat bei Angriffen auf fremdes Territorium zustimmen, damit solch eine Aktion international als rechtens angesehen wird (dies hat er z.B. beim Irakkrieg nicht getan). So, dies gilt grundsätzlich immer und jetzt kommts: außer es handelt sich um eine “Zwangsmaßnahme” gegen einen Feindstaat. Was ist aber nun ein Feindstaat? Nach Absatz 2 jeder Staat der während des Zweiten Weltkriegs Feind eines Unterzeichners der Charta war. Da die UN-Charta von den Alliierten und ihren Verbündeten am 26.06.1945 unterzeichnet wurde und die Unterzeichner somit auch die Gründungsmitglieder waren, wird klar, dass ganz klar die Achsenmächte als Feindstaaten bezeichnet werden, zumal Deutschland erst 1973 der UN beigetreten ist. Einer Organisation also, die einige ihrer Mitglieder in ihrer Charta heute noch als Feindstaaten bezeichnet.

Aber weiter im Text. Was bedeutet die Feindstaatenklausel nun für Deutschland als davon betroffenes Land? Es heißt im Klartext, dass alle Unterzeichner über Deutschland Zwangsmaßnahmen verhängen dürfen, welche bishin zu einem militärischen Einmarsch gehen können, ohne dabei die Erlaubnis des UN-Sicherheitsrats einholen zu müssen, im Fall dass Deutschland wieder aggressive Politik betreiben würde. Aber wie definiert man aggressive Politik? Nun, dies ist nicht festgeschrieben und somit der Willkür der Sieger überlassen. Damit wäre es nicht völkerrechtswidrig, wenn etwa Frankreich oder Russland morgen einmarschieren würden, auch wenn ihre Begründung noch so mager ist. Selbst die Diktatur Saddam Husseins im Irak stand unter dem Schutz der UN-Charta, Deutschland nicht. Am Ende des ersten Absatzes heißt es dann noch, dass Deutschland nicht mal das Recht hat, die Forderung nach Streichung dieses Artikels zu äußern, dies dürfen nur die “beteiligten Regierungen”, die Siegermächte also.

Heute heißt es zwar, die Feindstaatenklausel sei obsolet, da veraltet. Eine Streichung hätte lediglich symbolischen Charakter. Ich frage: Wie kann eine Klausel, die willkürlich einigen Ländern den Einmarsch hier erlaubt, obsolet sein? Sie ist vielmehr Zeichen einer gewissen Unmündigkeit Deutschlands in der Welt, wie übrigens auch die Nichtaufnahme in den UN-Sicherheitsrat. Ein Land kann nur frei sein, wenn er auch von solchen maßgeblichen Einschränkungen seiner Existenz befreit ist. Daher ist es geradzu peinlich, dass sogar nach der Aufnahme in die NATO, diese Klausel weiterhin gültig blieb. Es zeugt auch vom Scheitern deutscher Außenpolitik, von mangelnder Souveränität und fehlendem Selbstvertrauen, dass diese mächtige Passage in einem sehr wichtigen Werk, bis heute Bestand hat und Deutschland nicht zum gleichberechtigten Partner sondern zum ewigen Verlierer macht. Lieber hält man es, wie man es immer gehalten hat: Die Anderen sagen, die Klausel sei obsolet und man nickt dazu, ohne auch nur ein weiteres Wort darüber zu verlieren, denn was die Anderen sagen war bis jetzt ja immer richtig. Wenn die Klausel obsolet ist, dann kann, ja muss man sie sogar streichen und dieses Ziel muss in der deutschen Außenpolitik höchste Priorität haben, denn im Falle eines Falles könnten wir uns nicht mal auf die UN berufen…

An der EU gehen die Völker zu Grunde – Eine Fundamentalkritik

15. November 2008 by histo99

Die EU, einst aus der Montanunion als EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) hervorgegangen und dann von einem rein wirtschaftlichen Bündnis europäischer Staaten zu einem politischen Pseudostaatenbund mutiert, der weder richtig demokratisch lenkbar noch sonderlich menschen- und völkerfreundlich ist. Im Gegenteil, die EU schreibt teilweise wirre Richtlinien und Gesetze vor und die Mitgliedsstaaten parieren, allen voran Deutschland, das sich meiner Meinung nach von diesem aufgeblähten Monstrum hinsichtlich dessen Bedeutung für die EU, viel zu viel gefallen lässt. Aber das Thema lautet nicht “Wie die EU Deutschland schadet”, sondern “An der EU gehen die Völker zugrunde”. Dies hat natürlich mehrere Ursachen und ich möchte sie nicht alle auf einmal aufführen, da es sonst zu viel wird. Vielmehr möchte ich zwei oder mehr Blogeinträge in unregelmäßigen Abständen darüber verfassen.

Heute also mal der wohl offensichtlichste Grund warum an der EU die Völker zugrunde gehen.  Wenn es so weiter geht und die EU nicht an ihrer künstlichen Aufblähung zerbricht, dann werden wohl am Ende die Vereinigten Staaten von Europa (VSE) stehen. Darüber braucht man sich keine Illusionen machen, der Schritt von der Montanunion zum politischen Staatenbund war so groß, dass die VSE im Vergleich nur noch einen Katzensprung weit weg sind. Da jetzt schon, also in einem losen Bund, kulturelle Eigenschaften der verschiedenen Völker verlorengehen (auch der Internationalismus und die Globalisierung tragen hierzu bei), kann man sich vorstellen, dass am Ende ein Einheitskulturenbrei stehen muss und wird. Und das wäre nicht nur schade, nein es würde den Mensch endgültig von sich selbst entfremden und ihn zu einem hemmungslosen Egoisten machen. Zudem würde er seinen Halt endgültig verlieren. Schon heute waren die Selbstmordraten nie größer. Ein Verlust dessen was den Menschen seit jeher prägte, Volk, Kultur, Tradition, Heimat, Sprache, Familie usw. werden unwiederbringlich den Bach runtergehen. Zwar mag diese Ansicht konservativ sein, aber die Statisitiken von der Glücklichkeit der Menschen geben mir recht. Deutschlandweit gesehen ist man in Bayern am glücklichsten, da vor allem auf dem Land, wo all die genannten Werte noch einigermaßen intakt funktionieren. Dabei muss der Mensch diese Werte noch nicht einmal bemerken, sie geben ihm doch Halt in dieser Welt. Am wenigsten glücklich ist man übrigens in der ehemaligen DDR, wo massiv versucht wurde, die traditionelle Kultur der dort ansässigen deutschen Volksstämme durch eine kommunistische Einheitskultur zu ersetzen.

Aber zurück zur EU, also die Völker verlieren ihr Identität, solange bis es überhaupt keine Völker mehr gibt.  Dies passiert auch schon jetzt schleichend. Aber auch ein anderer Effekt ist hier und jetzt schon eingetreten. Die EU, welche ironischerweise die Vertretung der europäischen Völker mimt, ist so engsichtig, dass in ihrem Parlament nur die Staatsvölker vertreten sind, die Völker also, welche einen eigenen Staat haben, wie etwa die Deutschen, die Italiener, die Franzosen usw. Sogenannte Minderheiten, welche mindestens so lange in ihren Regionen leben, werden blindlings übersehen. Ihnen wird komischerweise das Recht auf einen eigenen Staat abgesprochen, obwohl sie ihn nicht weniger verdienen als alle anderen Völker. Die EU unternimmt nicht mal was gegen ihre Unterdrückung, oder erhalten z.B. die Spanier Sanktionen aufgrund ihres Verhaltens den Basken gegenüber? Die Frage beatnwortet sich leider von selbst. Die EU ist korumpiert von der Machtlüsternheit weniger und die große Masse leidet darunter. Diese wenigen sind die Gigabetriebe und einige extrem einflussreiche Persönlichkeiten. Darauf möchte ich jedoch ein ander mal zu sprechen kommen. Letztendlich muss man sich fragen, ob ein völkerverachtender und völkerzerstörender Staatenbund überhaupt wünschenswert ist. Wenn es so weitergeht, ist irgendwann nichts mehr da, was einstmals Gut und Erstrebenswert war. Am Ende steht der Mensch als isolierter Einzelgänger, der in einer völlig entwurzelten Welt auf den Tag wartet, an dem er endlich dieses Jammertal verlassen kann und wenn es nicht schnell genug geht, wird er diesen Tag wohl selber herbeiführen.

Die EU, so gut sie sich gibt, trägt dazu bei und ist hierzulande ein wichtiger Faktor, für die Zerstörung aller Eigenheiten der Völker. Dies beginnt wie gesagt mit den europäischen “Minderheiten” (die eigentlich auch Völker oder Teil eines Volkes sind), wie den Basken, den Flamen, den Nordiren, den Walisern, den Südtirolern usw., die jeweils von einem stärkeren Staatsvolk unterdrückt werden. Ihnen hilft die EU nicht, sondern den wahren Übeltätern, weil sie die Vertreter eines real existierenden Staates sind und nur diese können der EU zu mehr Macht verhelfen. So nimmt man in Kauf, dass die kleinen respektive mittleren Völker Europas zugrunde gehen, als erstes Opfer der Internationalisierung. Doch auch den “großen” Völkern geht es nicht besser, sie werden genauso aneinander angeglichen, sodass man am Ende nicht mehr weiß, ob man sich in Paris, London oder Berlin befindet. Alles läuft dann, auf eine Einheitsbreikultur hinaus, welche nicht den Menschen sondern der Macht und dem Kapital nützlich sind.