Kosovo - und weiter?

Mein gestriger Beitrag hat sich etwas mit den aktuellen Ereignissen überschlagen. Etwa zu der Zeit als ich ihn geschrieben habe, erklärte sich auch Deutschland bereit den Kosovo als eigenständigen Staat anzuerkennen. Wie ich schon prophezeite, passierte dies natürlich erst nachdem Frankreich diesen Schritt gewagt hatte. Dies ist ohne Frage ein bisschen beschämend, aber das habe ich schon im vorherigen Artikel ausführlich erklärt. Gott sei Dank hat sich die Bundesrepublik nun doch für eine baldige Anerkennung entschieden (übrigens wieder nicht allein, sondern zusammen mit anderen EU-Staaten).

Zuerst mal zu den Ereignissen in der Gegenwart. Einige militante Serben haben Grenzposten zerstört, sowie der serbische Botschafter aus den USA abgezogen wurde. Oh, wie das die USA schmerzen wird! Serbien benimmt sich wie ein kleines Kind. Es will nicht hinnehmen, dass es nicht mehr die selbe Macht besitzt, wie einst in Jugoslawien. Außerdem verschließt man Augen und Ohren vor der Tatsache, dass nun auch die letzten Reste des einstiegen Vielvölkerstaates auseinanderbrökeln. Serbien verkraftet den Prozess, welchen viele Vielvölkerstaaten durchmachen, nicht und versucht mit billigen Drohungen, dem Selbstbestimmungsrecht der Völker doch noch ein Schnippchen zu schlagen.

Doch wie geht es nun mit dem jungen Staat weiter? Ein Teil der Welt erkennt ihn an, der andere verhält sich reaktionär und wie gelähmt aus Angst vor weiteren Unabhängigkeitsbestrebungen anderer Völker (siehe Baskenland und Tibet), was die Ausgangslage natürlich nicht leichter macht. Auch in vielen Internetblogs wird von der Illegalität dieses Geschehnisses gesprochen, sowie davon, dass Europa nun ein weiteres Protektoriat besitzen würde. Völlig vergessen und ausgeblendet erscheint die blutige Zusammenschweißung des Staates Jugoslawien und die Unfreiheit, welche sich wie ein Schatten über viele Völker des Balkans legte. Zudem denke ich, dass der Kosovo lieber ein Protektoriat Europas als ein Protektoriat Serbiens ist.

Am lautesten tönen jedoch die Stimmen, welche den jungen Staat für nicht überlebensfähig halten. Vielleicht ist er das auch nicht. Das kann man heute noch nicht sagen und es gäbe auch eine Lösungsmöglichkeit für dieses Problem (werde später darauf eingehen). Aber das eigentlich wichtige an dieser Unabhängigkeitserklärung ist doch die Tatsache, dass eben jener geschichtliche Augenblick ein eindeutiges Symbol dafür ist, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker hier in Europa und auf der ganzen Welt umsetzbar ist, wenn man es nur stark genug will. Die Freiheit dieses kleinen und weltpolitisch sicherlich unbedeutsamen Staates ragt wie ein goldener und unverrückbarer Pfeiler für alle unterdrückten Minderheiten dieser Welt in den Himmel. Und jeder der dies verkennt und die Freiheit des Kosovo als illegal abstempelt, der tritt dieses heilige Recht eines jeden Volkes mit Füßen und spuckt auf den Freiheitsgedanken der westlichen Zivilisation. Die Freiheit muss jedem Volk zuerkannt werden und jedem Volk muss auch ein eigener Staat zuerkannt werden. Dies ist die zentrale Botschaft des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, welches auch in der westlichen Welt nicht immer beachtet wird (siehe Spanien).

Doch, was soll nun ein angeblich nicht existenzfähiger Staat in Europa anfangen? Nun, wie schon gesagt, über die Existenzfähigkeit lässt sich durchaus streiten, aber an und für sich wäre ein Anschluss an Albanien in jedem Falle sinnvoll. Erstens sind 95 % der Kosovaren Albaner und viele befürworteten den Anschluss auch. Außerdem würde sich der Kosovo durch einen Anschluss an einen funktionieren (wenn auch armen) Staat stabilisieren. Das Problem mit der Anerkennung würde schrumpfen, da nun lediglich die neuen Grenzen Albaniens anerkannt werden müssten und die Anschlusseuphorie würde dem Land und seiner Wirtschaft sicher nicht schaden. Zudem wäre das albanische Volk in einem gemeinsamen Staate vereint und das Selbstbestimmungsrecht der Völker wäre für die Albaner total umgesetzt.

Man sieht, ein Zusammenschluss hätte seine Vorteile und ich würde ihn befürworten, aber welchen Weg der Kosovo nun auch gehen mag, meine Segen hat er und ich wünsche ihm, dass er der Welt beweisen kann, wie existenzfähig seine Unabhängigkeit (ob mit oder ohne Albanien) doch ist.

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