Nun muss ich mich mal, wenn auch wieder etwas verspätet, über die aktuellen Ereignisse in Tibet äußern. Man führe sich vor Augen, was da gerade passiert. Da maschiert im Jahre 1950 eine Armee, geleitet durch eine kommunistische Diktatur, gegen den Willen des dort ansässigen Volkes, in ein Land ein und behauptet dann, dieses Land gehöre schon seit Jahrhunderten zu China (was heute übrigens viele Chinesen für bare Münze nehmen!). Die Religion und die Kultur dieses Landes wird vollständig unterdrückt und dem kommunistischen Gesamtstaat angeglichen. Um ein für alle mal die Kultur Tibets zu zerstören, siedelte man haufenweise Chinesen an. Der Dalai Lama wurde vertrieben und man versuchte gar einen Gegen-Dalai Lama zu etablieren. Allein das zeigt, dass China, welches eigentlich kommunistisch-atheistisch ist, mit allen Mitteln versucht, Tibets Kultur zu zerschlagen und sie von Peking abhängig zu machen. Nachdem die Tibeter über ein halbes Jahrhundert nicht so richtig aufmuckten, dachte man, dass man all die Schmach über die Zerstörung der Tempel und die Unterdrückung des Volkes zwar mit bitteren Tränen, aber immerhin verdaut hatte.
Die internationale Staatengemeinschaft steht Tibet mit gemischten Ansichten gegenüber. Die Bundesrepublik strotzt mal wieder vor Ignoranz für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Wenn es nach Deutschland geht, ist Tibet ein Teil Chinas und der Dalai Lama lediglich religiöser Repräsentant des tibetischen Buddhismus (mal ganz davon abgesehen, dass er durch die chinesische Abschirmung herzlich wenig zu repräsentieren hat). Liberaler und völkerverträglicher ist da schon die USA. In der Tibetfrage fahre ich mit den Vereinigten Staaten auf der gleichen Linie. Tibet ist für die USA ein nach Völkerrecht illegal besetzter Staat, dessen wahre Repräsentanten der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung sind. Diese Sicht der Dinge ist wohl so ziemlich die klarste und auch die realistischte.
Nun wieder zurück zu Tibet selbst. Also, nachdem lange Zeit, bis auf wenige Ausnahmen, niemand ein Aufbegehren gegen die chinesische Besatzungsmacht wagte, flog nun endlich ein Funken. Die Mönche standen auf, wollten ihre Freiheit. Der Funken fing an, ein Flammenzüngeln hervorzurufen nur das Feuer selbst lässt noch auf sich warten. Was passierte? China war hoffnungslos überfordert mit der Situation. Schließlich erlebt man es nicht jeden Tag, dass jemand offen und ehrlich sein Meinung äußert und diese nicht auch Parteimeinung ist. Was sollte man nur tun? Aber ja, plötzlich erinnerte man sich an eine wirksame Methode gegen solch konterrevolutionäre Umtriebe. Was hatte man 1989 am Platz des himmlischen Friedens gleich wieder gemacht, als einfache Studenten gegen die chinesische Diktatur aufstanden? Richtig, man hatte geschossen. Nach einigen empörten Protesten in der restlichen Welt, war Friede eingekehrt und alles war wieder gut geworden im blutroten China. So war schnell eine Lösung für Tibet gefunden, die ebenfalls „Schießen“ lautete. Nachdem man „19″ Menschen wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“ zur „Sicherheit des Staates“ ermordete, wollte dies die Staatengemeinschaft nun doch nicht so ganz glauben, zumal die tibetische Exilregierung schon von 80 bestätigten Todesfällen sprach. Also ließ China, um sein Propaganda und seine getürkten Zahlen der ganzen Welt als Fakten unterbreiten zu können, einfach mal alle ausländischen Journalisten ausweisen und verstärkte gleichzeitig die Militärpräsenz. Wird bestimmt niemand misstrauisch werden. Im chinesischen Staatsfernsehen laufen derzeit nur friedliche Bilder aus Tibet über die Mattscheibe und China hat sich wohl dazu entschlossen, der Welt statt falschen Zahlen, einfach gar nichts zu unterbreiten. Lage hat sich beruhigt und Punkt. Hoffentlich glaubens alle! Aber China machte sich selbst lächerlich, als behauptet wurde, der Dalai Lama persönlich sei für diese Proteste verantwortlich. Der Mann nämlich, der stets predigte, keine Gewalt anzuwenden und nicht aufzubegehren. Und selbst wenn er die Tibeter zum Aufstand aufgerufen hätte, könnte man es ihm wirklich verübeln? Es wäre nur recht und billig. Und auch der Aufstand der Tibeter ist rechtens und wird durch das Selbstbestimmungsrecht der Völker gestützt. China hingegen zeigt sich reaktionär und imperalistisch, wie eh und jeh.
Die Rolle, welche die Staatengemeinschaft und insbesondere Deutschland in diesem Stück zu spielen haben sollte, ist eigentlich klar: Tibet unterstützen und das zu jedem Preis. Doch man hält sich, wie immer zurück. Steinmeier fordert lediglich einen Dialog. Ist zumindest ein Anfang, aber noch meilenweit von anderen, konsequenteren Reaktionen entfernt. Dies beginnt bei der guten, alten Protestnote, welche leider etwas aus der Mode gekommen ist und endet bei dem Punkt, wo der Westen China einen schmerzhaften und deutlichen Schlag versetzen könnte: dem Boykott der olympischen Spiele in Peking. Nun hätte man die Möglichkeit, China zu zeigen, was man von seinen Menschenrechtsverletzungen hält und das man davon endgültig die Nase voll hat. Zumal China nun auch ein Sendeverbot vom Platz des himmlischen Friedens will. Man fürchtet Aufstände und Proteste, die es dann niederzuschießen gälte.
Nachdem nun der Kosovo den Anstoss für die Unabhängigkeit unfreier Völker gab, sollte nun auch Tibet, welches ein Paradebeispiel für Unterdrückung ist, endlich ein freier Staat werden. Das Aufbegehren des Volkes ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein freies Tibet würde allen unfreien Völkern der Erde als großer Lichtblick gelten, viel größer als die Freiheit des Kosovo es je vermögen könnte. Darum muss es das Anliegen der europäischen Staaten und der USA sein, das Selbstbestimmungsrecht der Völker konsquent zu vertreten und Tibet mit allen Mitteln zu unterstützen. Es ist eine Schande für uns alle, wenn wir uns nicht für Tibet einsetzen und die Freiheit der Völker, welche heiliges Gut ist, nicht verteidigen oder gar dafür kämpfen.
In diesem Sinne
Freiheit für Tibet! und frohe Ostern
Schlagworte: Allgemein, Allgemeines, Asien, Außenpolitik, China, Nachrichten, News, Politik, Tibet