Der erste schweiße Präsident

By histo99

Nun ist doch schon etwas Zeit seit meinem letzten Artikel vergangen. Diese Pause war bedingt durch extremen Stress in den letzten Monaten, doch nun möchte ich wieder öfters mal bloggen, auch wenn der Stress leider nicht weniger geworden ist und wohl noch etwas anhält.

Mein Thema soll, o welch Wunder, die Präsidentschaftswahl in den USA sein. Ich muss im vorhinein sagen, dass ich keinen persönlichen Favoriten hatte, obwohl ich mich sonst politisch immer sehr schnell auf bestimmte Positionen festlege und diese dann auch begründen kann. Natürlich, dass Obama Präsident werden würde, zeichnete sich in den letzten Wochen deutlich ab, aber ich bevorzugte ihn für mich selbst nicht, ebensowenig übrigens McCain. Am symphatischten war mir aus rein subjektiven Gründen Mike Huckabee, der aber in den Vorwahlen ausgeschieden ist. Nun hat Symphatie aber nichts mit politischem Können zu tun, wie unter anderem auch George W. Bush beweist, der als Mensch, unabhängig von seiner miserablen Politik, doch sehr symphatisch herüberkam.

Dies betrifft aber auch Obama, der zugegeben eine hervorragende Ausstrahlung hat, was zweifelsohne in der Politik nützlich sein kann. Doch wie wird er als Präsident sein? Ich meine „Change“ (dt. Wandel) kann nun wirklich jeder sagen, genauso wie „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ oder solche Allerweltsfloskeln wie „Neue Zeit“ usw. Aber was steckt dahinter? Auf jeden Fall und ich glaube davon kann man ausgehen, wird Obama zumindest versuchen, Amerika sozialer zu machen, was vielen Republikanern schon zu sehr nach Sozialismus riecht. Ob er es schaffen wird ist die Frage, denn alles was er versprochen hat, kann er nicht halten. Nun muss man sich fragen, soll man wirklich etwas versprechen was man nicht halten kann? Eigentlich nicht, aber in der Politik ist dies leider die Regel geworden und so beliebt und umfeiert Obama nun auch ist, im Prinzip ist er auf seine Weise, wie all die anderen. Lediglich seine Ausstrahlung macht den Unterschied, denn ihm selbst ist durchaus bewusst, dass er nicht alles verwirklichen kann, was er gesagt hat. In diesem Zusammenhang wäre interessant, ob politische Lüge als Gewohnheitsrecht bereits zur Moral geworden ist, vor der nicht mal ein Obama zurückschreckt oder zurückschrecken kann. Doch dies muss jeder für sich beantworten und so will ich hier auch nicht weiter darauf eingehen.

Der Obama-Hype hat teilweise über die Inhalte, welche letztendlich sowieso auf das quasi-populistische „Change“ hinausliefen, hinweggetäuscht, sodass sich McCain als alter und etwas starrer Kriegsveteran der Republikaner mit seiner Kampagne doch schwer tat. Aber so schlecht stand McCain eigentlich nicht da, wie uns das vorkommt. Zwar hat Obama viel mehr Wahlmänner als McCain bekommen, aber im etwas unfairen Alles-oder-nichts-Prinzip des amerikanischen Wahlrechts ist dies nichts so besondres, wenn man sich die prozentualen Stimmwerte ansieht. Danach bekam Obama 52 % und McCain 46 %. In Deutschland etwa wäre dies kein solch spektakulärer Sieg gewesen, auch wenn die Medien dies gerne anders sehen.

Apropos Medien: Ich habe gestern bis etwa 0:45 Uhr das Wahlgeschehen auf der ARD verfolgt, dann wurde es mir zu dumm. Erstens würde ich das Ergebnis ja sowieso nicht vorm nächsten Morgen erfahren und zweitens regte mich diese obamaphobe Berichterstattung auf, die voll von einem Wahlsieg Obamas ausging und diesen entsprechend feierte. Mit Verlaub, ab so was hat mit Objektivität nichts mehr zu tun, sowas traut man, wenn überhaupt, den kleineren Privatsendern zu, aber doch nicht den öffentlich-rechtlichen.

Und dann hieß es da immer wieder: Der erste schwarze Präsident und welch ein großer Tag für die Afroamerikaner. Keine Menschenseele denkt auch nur eine Minute daran, dass Obama so schwarz ist, wie er weiß ist. Seine Vater war zugegeben ein schwarzer Kenianer, aber seine Mutter war eine weiße US-Amerikanerin. Er ist also, und ich sage dass jetzt ganz vorsichtig und meine es ausschließlich beschreibend und nicht rassistisch, ein Mulatte. Nur dann ist natürlich die Sensation lediglich halb so groß und so machen ihn die Medien zum ersten schwarzen und damit afroamerikanischen Präsidenten und die Masse nickt es stolz ab. Auf diese Tatsache ist übrigens auch meine Überschrift gemünzt, wobei „schweiße“ ein zugegeben schlechter Wortwitz aus „schwarze“ und „weiße“ ist. Ich hab einfach die erstbeste Wortneuschöpfung genommen, die mir in den Sinn kam. Wer darin jetzt wieder Rassismus sehen will, sollte sich im Übrigen wirklich ernsthaft Gedanken über seinen geistigen Zustand machen! Wer aber immer noch behauptet, Obama sei voll und ganz schwarz, der solle sich doch mal dieses Bild von ihm mit seinen afrikanischen Verwandten ansehen:

Obama ist der schwarze (oder weiße?) Typ, welcher oben als Zweiter von links zu sehen ist

Trotzdem ist Obama durch seine Hautfarbe leider einer großen Gefahr ausgesetzt, da ihm viele an den Kragen wollen. Einige Gruppierungen des Ku-Klux-Klans haben schon vor der Wahl verlauten lassen: Wenn Obama Präsident wird, bleibt er es nicht lange. Dies ist auch meine Befürchtung und ich möchte beinahe voraussagen, dass die nächsten vier Jahre wohl nicht ohne einen Attentatsversuch vorbeigehen werden. Bleibt zu hoffen, dass Obama glimpflich davonkommt!

Ich möchte außerdem nochmals erwähnen, dass ich kein Obama-Gegner bin. Nein, ich traue ihm einiges zu und hoffe, dass er auch wirklich etwas bewirken kann. Meine Kritik bezieht sich nur deshalb vor allem auf ihn und den Hype um seine Person, weil er Präsident geworden ist. Hätte McCain (dessen Anhänger ich im Übrigen auch nicht bin) dieses Amt übernommen, so wäre ich auf ihn und z.B. sein Alter und Sarah Palin eingegangen.

Trotz all meiner Kritik möchte ich nun Präsident Obama viel Erfolg, Kraft und Ausdauer wünschen, die er sicher brauchen wird, um das schwere Erbe Bush anzutreten und Amerika aus einer schlimmen Krise zu befreien. Amerika braucht „Change“. Hoffentlich hält Obama dieses Versprechen…

Als kleinen Anhang, hier noch ein Video von jibjab.com, welches auf den Wahlkampf von McCain und Obama gemünzt ist und unter anderem Obamas „Change“ sehr schön auf die Schippe nimmt:

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