Anmerkungen zum Lied der Deutschen

By histo99

So mancher wird sich wundern, dass ich dem Deutschlandlied nochmals einen Blogeintrag widme. Ich möchte kurz erklären warum. Mein erster Eintrag zu diesem Thema „Deutschland über alles!“ hat natürlich nichts an seiner Gültigkeit verloren. Ich war nur aus rein schulischen Gründen dazu gezwungen mich nochmals genauer mit dem Text und der Melodie der Hymne auseinanderzusetzen, sodass ich hierzu nochmals etwas genauere Ausführungen gemacht habe. Betont werden soll jedoch, dass sich in diesem Beitrag nichts über die Geschichte des Liedes als Hymne findet und auch nichts zum angeblichen Verbot (Die Strophe „Deutschland, Deutschland über alles“ ist nicht verboten!). Wer hieran ebenfalls Interesse hat, den möchte ich also hiermit auf einen älteren Blogeintrag mit dem Titel „Deutschland über alles!“ verweisen.

Nun aber genug der Vorrede. Es folgt mein zweiter Beitrag zum Lied der Deutschen.

Hierzu erst nochmal der Text:

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
|: Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt! :|
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
|: Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang! :|
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
|: Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland! :|

Selbstverständlich ist das Lied der Deutschen in seiner Gesamtheit nicht die wortgewordene deutsche Großmannssucht, als die es heute gerne angesehen wird. Auch hier gilt, dass man dieses hochpatriotische Lied im Geist seiner Entstehungszeit betrachten muss. Hoffmann von Fallersleben selbst war ein glühender Patriot und der Zustand eines zerteilten Vaterlands musste ihm wie ein Stachel im Herzen erscheinen. Auch er hatte wohl die ewige Kleinstaaterei satt und in seinem „Lied der Deutschen“ zeigt sich dies mehr als deutlich. Deshalb auch die Worte „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Für ihn als Patrioten hatte die Einigung des deutschen Vaterlandes allerhöchste Priorität vor allen anderen Problemen der damaligen Welt. Und dieses noch fiktive Deutschland, dessen Entstehung über allem stehen soll, wird auch gleich umrissen, durch Maas und Memel, durch Etsch und Belt. Dies sind die Grenzen jenes deutschen Vaterlandes, welches Hoffmann von Fallersleben sich wünscht. Weshalb er die Grenzen so zieht, lässt sich leicht nachvollziehen. Hier gilt: „So weit die deutsche Zunge klingt“, denn jene Grenzen sind zugleich in etwa die deutschen Sprachgrenzen. Und dieses erstrebte Deutschland soll brüderlich zusammenhalten, denn Brüder sind die deutschen Volksstämme für Fallersleben allemal. Und dies alles zum Schutz und Trutze der Nation, den nur geeint ist Deutschland stark. Fallersleben hatte wohl noch die gerade vergangene Rheinkrise in Erinnerung, bei der der Deutsche Bund nur äußerst zaghaft reagierten konnte.

In der zweiten Strophe erfolgt ein Hochgesang auf alles Deutsche und dies ist wohl unter dem stark patriotischen Aspekt der damaligen Zeit zu sehen. All diese schönen und guten Dinge sollen ihren schönen Klang in der Welt behalten und natürlich kann z.B. der deutsche Sang keinen schönen Klang mehr in der Welt haben, wenn es kein einiges Deutschland gibt. Dann ist der Sang nämlich nur noch bayerisch oder fränkisch oder rheinländisch oder märkisch. Und so weißt auch dies auf die Forderung und die tiefe Hoffnung auf ein baldig geeintes deutsches Vaterland hin. Auch sollen die genannten Dinge zu edler Tat begeistern, hier vielleicht zum Bestreben, ein Deutschland zu schaffen.

Die letzte Strophe, welche auch unsere heutige Nationalhymne ist, zeigt dann den liberalen Zeitgeist, der sich mit dem nationalen Zeitgeist vermischt hatte. Für jenes Deutschland, welches Fallersleben in der ersten Strophe umrissen hatte, fordert er nun Einigkeit und Recht und Freiheit. Diese drei Schlagwörter gehen für ihn einher. Sie sind untrennbar im Zeitgeist verankert. Nur die Einigkeit kann zu Recht und Freiheit führen. Nur ein geeintes Volk kann den Bürgern Recht und Freiheit bringen. Und die Einigkeit kann es nur durch Freiheit geben. Die Freiheit ist also die Nation. Nach diesem Idealzustand müssen alle Deutschen streben, „brüderlich mit Herz und Hand“. Auch hier betont Fallersleben wieder, dass alle Deutschen Brüder sind, unabhängig ihres Volksstammes. Und dann erwähnt er jene drei Schlagwörter nochmals und er sagt, dass sie des Glückes Unterpfand sind und fordert das Vaterland auf, durch diese drei Maximen zu blühen zu beginnen. Dies trifft wohl sehr stark den Zeitgeist. Das deutsche Vaterland muss nach diesen drei Prinzipien erstehen, nur so kann den Bürgern ihr Glück entstehen und dies hat höchste Priorität: Deutschland, Deutschland über alles!

Auffällig ist auch, dass das Lied der Deutschen zur Melodie der Kaiserhymne gesungen wurde. Dies liegt wohl daran, dass dies eine enorme Symbolkraft hatte. Die Kaiserhymne war die Hymne auf den deutsch-römischen Kaiser Franz II., der den alten Universalismus und die Kleinstaaterei im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation verkörperte. Durch die Übernahme der Melodie unter Abänderung des Textes zeigte sich symbolisch, dass der Zeiten Wende gekommen war. Nicht mehr der alte Universalismus und die Interessen des Adels standen im Mittelpunkt. Diese sollten nun endgültig durch den Nationalstaat eines freien Volkes abgelöst werden. Nationalismus statt Universalismus, Demokratie statt Monarchie. Dies sollte der neue Text zur alten Melodie verkörpern. Schon allein der krasse Gegensatz im ersten Vers zeigt dies mehr als deutlich. Hier stehen sich „Gott erhalte Franz den Kaiser“ und „Deutschland, Deutschland über alles“ gegenüber. Nun also nicht mehr irgendein Monarch, sondern das deutsche Vaterland hatte oberste Priorität.

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Eine Antwort zu „Anmerkungen zum Lied der Deutschen“

  1. micha vRhein sagt:

    Der historische Gehalt des Burschenschaft-Liedes wird nicht genau genug beschrieben. Die späteren Fehldeutungen des Liedes und sein Missbrauch fallen unter den Tisch.

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