„Ich fühle mich als Europäer“ ist heutzutage ein häufig zu hörender Satz auf deutschen Straßen, oft ausgesprochen von Personen, die sich selbst politisch weder links noch rechts noch sonst irgendwo einstufen, sondern mainstreammäßig den farblosen Begriff „Mitte“ für sich in Anspruch nehmen. Ich möchte mich hier nicht über „die Mitte“ auslassen, die jedoch dem Zeitgeist entsprechend eher links steht und das dazu gehörende Gutmenschentum in seiner heuchlerischsten Erscheinungsart verkörpert.
Nein, es soll um den einleitenden Satz „Ich fühle mich als Europäer“ gehen. Dieser Satz ist nämlich in seiner Gänze nur ein Lippenbekenntnis einer verblendeten Mehrheit, die sich unbedingt von allem abgrenzen möchte, was auch nur den Verdacht einer eher rechtsgerichteten Anschauung erwecken könnte. Ich schätze in 75 % der Fälle dürfte dies der wahre Grund für diese Aussage sein. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Satz und wieso gilt er eigentlich für mich nicht uneingeschränkt? Oder tut er dies gar?
Nun, am Anfang muss die Frage stehen, ob ich ein Europäer bin. Sicher bin ich das. Das kann ich nicht abstreiten. Aber ich bin es bestimmt nicht in dem Sinne, wie es die restlichen 25 % der linken Meinungsmacher gern hätten. Ich bin kein EU-Unterstützer. Und das ist letztendlich mit Europäer gemeint.
Dennoch bin ich Europäer mit Leib und Seele. Ich bekenne mich nämlich zu einem Eckpfeiler des menschlichen Daseins, der Kultur. Und die abendländische Kultur ist nun mal eine beinahe gesamteuropäische Kultur, vom orthodoxen Teil Europas abgesehen. Damit bin ich kulturell ein Europäer, ganz ohne Frage. Ich bekenne mich auch ehrlich zu dieser Kultur, geprägt einerseits von antiken griechischen und römischen Grundpfeilern, andererseits von der europäisch-katholischen und später teilweise auch europäisch-protestantischen Christenheit. Diese kulturellen Prägefaktoren verbinden die Völker Europas wahrlich. Sie gaben und geben uns ein Wertesystem, welches als europäisch bezeichnet werden darf. Nun muss aber dieser Gedankengang folgerichtig weitergeführt werden. Wenn diese kulturellen Gemeinsamkeiten mich in kultureller Hinsicht zum Europäer machen, dann müssen mich die spezifisch deutschen Ausformungen dieser Kultur aber auch die große Masse der anderen nationalen Einflussfaktoren, die sicherlich so zahlreich sind wie die gesamteuropäischen Faktoren, zu einem Deutschen machen. Immerhin gibt es z.B. keine europäische Sprache und Gott bewahre uns vor eben einer solchen! Von daher kann eigentlich kein Mensch sagen „Ich fühle mich als Europäer“, ohne sich in der Folge auch als Deutscher zu fühlen, bzw. als Angehöriger seines Volkes. Und hier zeigt sich die Heuchelei des Zeitgeistes, der ohne Rücksicht auf logische Folgeschlüsse einfach eine starre Blickrichtung annimmt und diese durch solch unsinnige Phrasen zum Ausdruck bringt. Sicher, ich bin Europäer, kulturell und auch geographisch. Aber in der Folge muss ich auch Deutscher sein!
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