Nun danket alle Gott – Die Heimkehr der Zehntausend

By histo99

Eben habe ich mir auf youtube.de einen kurzen Filmausschnitt aus irgendeiner öffentlich-rechtlichen Dokumentation angesehen. Man sieht dort die sogenannte Heimkehr der Zehntausend und ich finde die Bilder sehr berührend, sodass ich sie niemanden vorenthalten möchte.

Konrad Adenauer selbst erreichte einst in Moskau, der sowjetischen Staatsführung die Freilassung der letzten zehntausend deutschen Kriegsgefangenen abzuringen. Man kann die bewegende Wirkung dieses Moments, wie er auch im Filmausschnitt zu sehen ist, nur dann vollständig begreifen, wenn man dazu einige Informationen im Hinterkopf behält.

Diese Männer waren einst ausgerückt um in einem der verheerensten und grausamsten Kriege der Weltgeschichte täglich ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Die Schrecken des täglichen Überlebenskampfes wirkten bis tief hinein in die Psyche dieser oftmals jungen Soldaten. Und selbst als der Krieg seinem Ende zuging, gab es für diese Männer keinen Grund, auf eine baldige Rückkehr in die Heimat, zu Frau und Kindern, hoffen zu dürfen. Die sowjetischen Arbeitslager sollten nun ihr bitteres Los werden. Man muss sich die Verzweiflung dieser Männer vorstellen, die oftmals zu 25 Jahre Sibirien verurteilt wurden. Heute ist der Ausmaß eines solchen Urteils einfach nur unvorstellbar. Fünfundzwanzigjährige sahen ihr Leben an sich vorbeiziehen, fühlten sich um ebenjenes betrogen und versanken nicht selten in totalste und schrecklichste Verzweiflung. „In 25 Jahren bin ich 50 Jahre“ – solche Gedanken müssen wohl unter bittersten Tränen in den Köpfen der jungen Männer umhergesponnen und ihnen jeglichen Lebensmut geraubt haben. Das bloße Denken an zuhause war wie eine ewig entfernte Illusion. Um die Jugend betrogen sollten sie nun erst als alte Männer, nach Hause zurückkehren, ohne die Garantie, dass die eigenen Angehörigen dann noch leben würden. Oder würden sie unter den gegebenen Bedingungen überhaupt zurückkehren? Man kann sich die Aussichtslosigkeit der Lage nicht vorstellen, aber schlimmere Gefühle wird man wohl nur selten zu empfinden haben.

Und unter diesen Voraussetzungen musste die Tat Adenauers im Jahre 1955, nach zehnjähriger Gefangenschaft, den Soldaten wie ein Wunder erscheinen. Plötzlich hieß es, sie dürften heim. Welch Freude muss wohl die abgehärmten Leiber der letzten Kriegsgefangenen durchfahren haben, sodass die Ankunft in Friedland ein so emotionales Ereignis war, dass man sich dies ebenso wenig wie die vorhin genannte Verzweiflung vorstellen kann. Und auch hier waren Freude und Trauer so nah beieinander, wie nur selten in der deutschen Geschichte. Die Freude über den Vater, Ehemann, Sohn oder Bruder der wie durch ein Wunder wieder zuhause war und der bittere Schmerz der vielen, die vergeblich warteten und deren Hoffnung unter bangen Tränen neben freudigen Widersehensszenen auf ewig starb.

Und nach all diesen Entbehrungen, nach all dem bitteren Leid, stimmten die letzten Heimkehrer aus tiefster Dankbarkeit und stärkster Überzeugung einen Dankchoral für den Allmächtigen an, der sie trotz allem nie verlassen hatte: „Nun danket alle Gott“. Dieses unglaubliche Gottvertrauen und dieser Gesang aus rauen Männerkehlen, die ihren Glauben nie verloren hatten, muss einem noch heute Schauer über den Rücken jagen und lässt uns vielleicht auch die Nichtigkeit unserer vielen kleinen Probleme, die wir für so unüberwindbar halten, erkennen.

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